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Unter dem Vorwand hoher Entwicklungskosten werden für Medikamente immer häufiger Preise verlangt, die sämtliche Grenzen sprengen. Wer nicht bezahlen kann, verliert seine Gesundheit oder sogar sein Leben. Was Pharmaunternehmen nicht davon abhält, weniger auf das Wohlergehen der Menschen als auf den Wohlklang klingelnder Kassen zu achten.

Auf einen Blick
  1. Immer öfter kommen Medikamente auf den Markt, deren Preis in exorbitanten Höhen angesiedelt ist.
  2. Noch hat in Deutschland jeder das Recht, die für die Behandlung einer Krankheit notwendigen und zugelassenen Medikamente erstattet bekommen. Doch bei den hohen Preisen, geraten die Krankenkassen zwangsläufig an ihre Grenzen.
  3. Pharmamanager haben keine Skrupel, auch noch das Letzte aus dem Markt zu herausquetschen, was er hergeben kann. Gerade das Coronavirus könnte sich jetzt für so manches Pharmaunternehmen als schier unerschöpfliche Goldgrube erweisen.
  4. Da nützt es auch nichts, wenn das teuerste Medikament der Welt verlost wird. Wer nicht zu den Gewinnern zählt, kann dem Tod nicht entrinnen.

Der Preis einer Villa für eine Spritze

Geht’s noch? Rund 2 Millionen Euro kostet die einmalige Dosis des Medikaments Zolgensma des Schweizer Pharmakonzerns Novartis.1 Das Mittel ist zur Behandlung einer seltenen genetisch bedingten Form von Muskelschwund vorgesehen, der spinalen Muskelatrophie (SMA). Etwa eines von 1.000 Kindern kommt damit zur Welt.

Spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine seltene, aber umso heimtückischere neuromuskuläre Erkrankung
©Olesia Bilkei – stock.adobe.com

Der Gendefekt hat zur Folge, dass – je nach Schweregrad – weniger oder gar kein Protein gebildet wird, welches die Motoneuronen benötigen, um am Leben zu bleiben. Fehlt das Protein, verkümmern diese für die Übertragung von Nervenimpulsen an die Muskulatur zuständigen Nervenbahnen und sterben allmählich ab. Die kleinen Patienten werden zunehmend gelähmt, können in schweren Fällen nicht mehr atmen oder schlucken, müssen im Spätstadium also künstlich beatmet und ernährt werden. In schweren Fällen werden die Kinder kaum älter als ein paar Jahre.

Das neue Novartis-Medikament kann die Krankheit heilen, indem es als eine Art Gentherapie dafür sorgt, dass anstelle des defekten Gens ein funktionierendes zur Verfügung gestellt wird. Eine einzige Infusion genügt, um das lebenslang zu gewährleisten. Die frühzeitig damit behandelten Kinder entwickeln sich normal, leiden unter keinen Behinderungen oder Beeinträchtigungen. Aber der hohe Preis für das Medikament in Höhe von rund 2 Millionen Euro? In Deutschland, wo das Mittel Anfang 2020 zugelassen wurde, konnten bereits Kinder damit behandelt werden. Die Kosten wurden noch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Sind die Krankenkassen schon bald überfordert?

Doch wo soll diese exorbitante Preisgestaltung durch Pharmaunternehmen hinführen? Gesetzliche Krankenkassen, aber auch private Krankenversicherungen, können da auf Dauer womöglich nicht mithalten. Und wie ist es mit Ländern, in denen Krankenversicherungsschutz für die dort lebenden Menschen ein Luxus ist? Wer nicht zahlen kann, stirbt, ist lebenslang behindert und bettlägerig? Sieht so das vor 40 Jahren von der Weltgesundheitsorganisation WHO2 festgelegte Ziel »Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000« aus?

Immerhin haben wir mittlerweile das Jahr 2020 – und sind weiter von dem Ziel entfernt denn je. Die Pharmaunternehmen begründen ihre alle Grenzen sprengende Preisgestaltung mit den hohen Entwicklungskosten, die für die Erforschung eines neuen Medikaments anfallen. So gibt der Verband forschender Arzneimittelhersteller 2016 an, dass für die Entwicklung eines neuen Medikaments rund 2,6 Milliarden Dollar investiert werden mussten.3

»Pharmaunternehmen geben für das Marketing ihrer Produkte etwa doppelt so viel Geld aus wie für die Forschung.«

Nur ein Jahr später, nämlich 2017, kam eine unabhängige Expertengruppe zu dem Ergebnis, dass für die Entwicklung eines neuen Medikaments 906 Millionen Dollar aufgewendet werden müssen. Das macht immerhin eine Differenz von mehr als 1,5 Milliarden Dollar aus. Wo die wohl steckt? Die unabhängige Expertengruppe kam gleichzeitig zu dem Ergebnis, dass Pharmaunternehmen für das Marketing ihrer Produkte etwa doppelt so viel Geld ausgeben wie für die Forschung.

Spitzenpreise sind keine Seltenheit mehr

Neue Medikamente werden immer teurer. So kostet zum Beispiel das Mittel Spinraza von Biogen, das Konkurrenzprodukt zu Zolgensma von Novartis zur Behandlung von tödlichem Muskelschwund, im ersten Behandlungsjahr rund 750.000 US-Dollar. Da es hier mit einer einmaligen Infusion nicht getan ist, sondern die Behandlung ständig wiederholt werden muss, wird das Mittel ab dem zweiten Behandlungsjahr geradezu zum »Schnäppchen« und kostet dann nur noch die Hälfte.

Aber auch andere Pharmaunternehmen langen kräftig hin:4

  • Givbera von Uniqure zur Therapie einer vererbten Fettstoffwechselstörung kommt pro Behandlungszyklus auf knapp 1,3 Millionen US-Dollar.
  • Das Medikament Ravicti von Horizon Pharma, ein Mittel zur Behandlung von Harnstoffzyklusstörungen, kommt jährlich auf knapp 800.000 US-Dollar.
  • Brineura von Biomarin, ein Medikament zur Therapie der Stoffwechselkrankheit CLN2, kostet pro Jahr etwa 700.000 US-Dollar.
  • Lumizyme von Sanofi-Genzyme, ein Medikament, das bei Menschen mit der lebensbedrohlichen Pompe-Krankheit zur Behandlung ein fehlendes Enzym ersetzt, kommt auf rund 630.000 US-Dollar pro Jahr.
  • Carbaglu von Recordati, mit dem eine Ammoniak-Abbau-Störung im Organismus behoben wird, welche zu Gehirnschädigungen und sogar zum Tod führen kann, kostet pro Jahr knapp 600.000 US-Dollar.

Das Coronavirus bringt einen Geldregen

Dank Coronavirus herrscht für manche Pharmaunternehmen derzeit geradezu Goldgräberstimmung. An der Spitze steht derzeit der US-Pharmakonzern Gilead, seit bekannt wurde, dass sein Medikament Remdesivir sich zur Behandlung von COVID-19 einsetzen lässt.

Bislang war das ursprünglich zur Therapie von Hepatitis C und Ebola entwickelte Mittel ein Ladenhüter, da es die in den Wirkstoff gesetzten Hoffnungen nicht erfüllte und nur äußerst mäßig Besserung herbeiführte. Doch das hat sich jetzt schlagartig geändert, so dass der Konzern Gilead mittlerweile an der Börse mehr wert ist als BMW, Daimler, Lufthansa, Deutsche Bank, Commerzbank, RWE und E.on zusammen.5

Hier sind es nicht die hohen Preise pro Einzeldosis, welche die Kasse in höchsten Tönen klingeln lassen. Hier ist es die Aussicht auf millionenfachen Verkauf des Mittels an COVID-19-Patienten, so dass pro Verabreichung deutlich geringere Preise berechnet werden können. Höhere Preise könnten auch nicht erzielt werden, denn die gibt der Markt nicht her. Wo kein Geld verfügbar ist, kann es auch nicht herausgepresst werden. Pharmamanager halten sich eisern an diese Regel.

Zu sehen ist das etwa an dem Hepatitis-C-Medikament Sovaldi, ebenfalls von Gilead. Als es 2014 zugelassen wurde, kostete in Deutschland die komplette Hepatitis-C-Therapie über die Dauer von mehreren Wochen 60.000 Euro. Das Mittel brachte dem Konzern einen weltweiten Jahresumsatz von etwa 12 Milliarden Euro. Dafür galt es als absolutes Highlight, da die damit Behandelten erstmals vollständig von ihrer Leberentzündung geheilt werden konnten. Spätfolgen wie Leberkrebs waren damit beseitigt.

Somit entfielen auch die möglichen Kosten von bis zu 45.000 Euro jährlich für die Behandlung der Folgeerkrankungen. Jeder Krankenversicherungsmanager, der einigermaßen mit Zahlen umgehen kann, musste dabei zwangsläufig erkennen, welche Einsparungen ihm die einmaligen Therapiekosten brachten. Also gab der Markt den hohen Preis her – und er wurde auch bezahlt.

Makabre Überlebenslotterie

Dennoch scheint es manchmal fast so, als setze den Pharmamanagern ein schlechtes Gewissen zu. So gab Novartis Anfang 2020 plötzlich bekannt, dass das Unternehmen weltweit 100 Dosen des Mittels Zolgensma zur Behandlung des tödlichen Muskelschwunds SMA (spinale Muskelatrophie) bei Kindern verlost.6 Zur Erinnerung: Das Mittel kostet pro Einzeldosis, die zur Behandlung notwendig ist, rund 2 Millionen Euro. Pro Monat sollen zwei Patienten gezogen werden, die damit dem Tod entrinnen könnten.

Scheinheilig bezeichnete Novartis diese »Überlebenslotterie« als Versuch, das Medikament möglichst bald weltweit verfügbar zu machen. Wie bitte? In winzigen Einzeldosen aber mit riesigem Tamtam? Kritiker sehen in der Verlosung lediglich den Versuch, damit Aufmerksamkeit zu erreichen und Druck auf Eltern, Ärzte und Krankenkassen auszuüben.

Wer in einem Monat nicht gezogen wird, landet zwar automatisch für die nächsten Ziehungen wieder in der Lostrommel. Doch für diese Krankheit ist typisch: Was einmal verloren und zugrunde gegangen ist, kann auch das Medikament nicht wieder herstellen. Bei einem schweren Verlauf können Kinder, die im Juni noch selbst essen und atmen konnten, bis zum Dezember des Jahres zu völlig hilflosen Pflegefällen geworden sein. Dann hilft nichts mehr, auch wenn ihr Los noch an der nächsten Ziehung teilnimmt. Ganz schön makaber …

Quellen & weiterführende Informationen

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