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Honig und Zucker – beides ist süß. Aber das war’s dann schon in Sachen Gemeinsamkeiten. Und auch unser Körper reagiert sehr unterschiedlich auf diese beiden Stoffe. Während Honig Heilmittel ist, ist Zucker gesundheitlich bedenklich. Neuere Forschungen bestätigen dieses uralte Wissen.

Auf einen Blick
  1. Honig und Zucker sind zwar beide süß, aber ihre Wirkung auf unseren Körper könnte wohl kaum unterschiedlicher sein.
  2. Honig ist weitaus mehr als Zucker (Saccharose). Honig ist eine komplexe Mischung aus verschiedensten Zuckerarten und anderen wertvollen Stoffen wie Enzymen und Pro- und Präbiotika.
  3. Honig unterstützt das Wachstum nützlicher Bakterien, wirkt sich positiv auf unser Mikrobiom aus und hat sich u.a. als hochwirksames Antiinfektivum bewährt.

Zucker und Honig – die Inhaltsstoffe

Honig und Zucker (Saccharose) existieren im Grunde nur, weil sie Nahrung sind. Im Fall von Zuckerrohr, einem Mitglied der Grasfamilie (Poaceae), zu der auch Weizen, Mais und Reis gehören, liefert die Saccharose (Zucker) schlichtweg Energie für die Blätter. Diese Energie kann leicht in andere Teile der Pflanze transportiert werden, die keine eigene Energie produzieren wie beispielsweise die Wurzel. Honig wird von Bienen aus dem Nektar der Blumen für ihre Ernährung produziert.

Abgesehen von dieser offensichtlichen Ähnlichkeit könnten die Unterschiede zwischen Honig und Zucker wohl kaum größer sein.

Erstens, Honig ist Vollwertkost, Saccharose nicht. Anders ausgedrückt: Saccharose ist ein Isolat – genaugenommen nur eine chemische Verbindung –, das gemeinsam mit Hunderten anderer Komponenten innerhalb einer Pflanze existiert. Im Gegensatz dazu besteht Honig aus einer hochkomplexen Reihe von Verbindungen, von denen viele bekannt sind (einschließlich Makro- und Mikronährstoffe, Enzyme, Probiotika und Präbiotika usw.), die Rolle anderer jedoch noch völlig rätselhaft ist.

Sogar der »Zucker« im Honig, den wir oftmals (aufgrund der Gleichwertigkeit der Kalorien- und Nährstoffklassifizierung) fälschlicherweise mit dem »Zucker« aus Zuckerrohr gleichsetzen, ist eine komplexe Mischung aus Monosacchariden (Einfachzucker), Glukose und Fruktose, und mindestens 25 verschiedenen Oligosacchariden (Zucker, die aus zwei bis zehn miteinander verbundenen Monosacchariden bestehen), einschließlich kleiner Mengen der Disacchardid-Sucrose sowie Trisaccharide (Dreifachzucker) wie Melezitose und Erlose.1

Würde man die Fruktose aus dem Honig isolieren und sie in Dosen (über circa 50 Gramm pro Tag2) konsumieren, sie würde wahrscheinlich zu über 70 fruktoseinduzierten gesundheitlichen Nebenwirkungen führen, wie Insulinresistenz, Fettleber, Adipositas, Bluthochdruck und erhöhter Blutzucker. Stellt man aber die Fruktose wieder in den komplexen Kontext der Nährstoffchemie zurück, die wir Honig nennen, verliert sie ihre monochemische Bösartigkeit für unsere Gesundheit. Lebensmittel versorgen uns mit Nährstoffen. Zerlegen Sie Nahrungsmittel jedoch in ihre einzelnen Bestandteile, die Sie dann in konzentrierter Form zu sich nehmen, erhalten Sie das Rezept für eine gesundheitliche Katastrophe. Es gibt Millionen von Menschen, die gleichzeitig über- wie unterernährt sind, die aber immer noch denken, dass eine »Kalorie eine Kalorie« ist und ein »Kohlenhydrat ein Kohlenhydrat«, ohne zu erkennen, wie tiefgreifend die qualitativen Unterschiede sind. Denn während das eine im wahrsten Sinne des Wortes heilt, bringt uns das andere buchstäblich um.

Die Unterschiede zwischen Honig und Zucker beruhen jedoch nicht nur auf ihrer jeweiligen chemischen und ernährungsphysiologischen Zusammensetzung, sondern auch darauf, über welchen Zeitraum hinweg sich unser Körper an diese Energie- und Nahrungsquelle gewöhnen konnte.

Honig und Mensch – eine uralte Beziehung

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts die industrielle Produktion von Zucker aus Zuckerrohr begann, war Honig für den Menschen der wichtigste konzentrierte Süßstoff. Während die erste schriftliche Erwähnung von Honig auf einer 4000 Jahre alten sumerischen Tafel zu finden ist3, und sich Darstellungen von Honig suchenden Menschen in Höhlenmalereien in Spanien finden, die mindestens 8000 Jahre alt sind, können wir davon ausgehen, dass unsere Liebesaffäre mit dem »süßen Stoff«, den uns die Biene gnädig zur Verfügung stellt, viel weiter zurückreicht – vielleicht Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen von Jahren.

Unabhängig davon, zu welchem Zeitpunkt Honig Eingang in unsere Ernährung fand, aus evolutionsbiologischer und ernährungswissenschaftlicher Sicht ist klar, dass unser Körper unendlich viel mehr Zeit hatte, sich an Honig zu gewöhnen als an Zucker. Interessant ist auch, dass Zuckerrohr zur selben Grasfamilie gehört, deren Samen in Form von »Getreidekörnern« wir heute in solchen Mengen konsumieren, dass man getrost sagen kann, wir graben langsam unsere Gräber mit unseren eigenen Zähnen (insbesondere mit unseren kornmahlenden Backenzähnen). Schließlich konsumieren wir sie erst seit 10 000–20 000 Jahren, in manchen Fällen seit weniger als 10 Generationen – eine Nanosekunde in biologischer Zeit, auch wenn das aus der Perspektive eines einzelnen menschlichen Lebens oder gar der gesamten menschlichen Geschichte erscheinen mag, als sei es eine Ewigkeit.

Für die Skeptiker, die diese Überlegungen zu den Unterschieden zwischen Honig und Zucker als reine Theorie betrachten, gibt es inzwischen zahlreiche klinische Untersuchungen, die die signifikanten Unterschiede der beiden Stoffe bestätigen.

Mit Honig den Appetit zügeln

Eine doppelblinde, randomisierte klinische Studie mit dem Titel »Effekte von Honig im Vergleich zu Saccharose auf Appetit, appetitregulierende Hormone und postprandiale Thermogenese«, die 2010 im Journal of the American College of Nutrition veröffentlicht wurde, verglich die Auswirkungen von Honig oder Zucker auf Appetithormone (Ghrelin, Peptid YY) und glykämische und thermische Effekte nach einer Mahlzeit bei 14 gesunden, nicht übergewichtigen Frauen.

Die Forscher fanden heraus, dass die Gruppe, die 450 Kalorien (kcal) Honig mit ihrem Frühstück zu sich nahm, »eine gedämpfte glykämische Reaktion« aufwiesen, »die für die Verringerung der Glukoseintoleranz vorteilhaft sein kann«. Sie beobachteten eine positive Modulation der Appetithormone, das heißt die postprandiale Ghrelinantwort verzögerte sich, während sich der Peptid-YY-Spiegel erhöhte.4

Eine weitere 2004 im Journal of Medical Food veröffentlichte Studie, die Honig mit Dextrose und Saccharose verglich, ergab, dass naturbelassener Honig in der Lage war, Plasmaglukose, C-reaktives Protein und Homocystein bei gesunden, diabetischen und hyperlipidämischen Menschen zu senken.5

Die Tierforschung bestätigt, dass Honig im Vergleich zu Saccharose einen geringeren Einfluss auf Gewichtszunahme, Adipositas (Fettzunahme) und Triglyceride hat.6

Heilmittel Honig – die gesundheitlichen Vorteile

Honig enthält Enzyme und Probiotika, die beim Erhitzen oder Kochen zerstört werden. Diese Verbindungen sind allerdings wichtig und tragen direkt oder indirekt zu den vielen bekannten gesundheitlichen Vorteilen von Honig bei. Nehmen wir zum Beispiel das aktive, stärkeverdauliche Enzym Amylase, das nur in nicht zu stark erhitztem Honig vorkommt. Man vermutet, dass dieses Enzym dazu beiträgt, Antigen-Antikörper-Immunkomplexe, die mit Allergien gegen Pollen verbunden sind, zu beseitigen und gleichzeitig eine mit Histamin und verwandten entzündlichen Hormonen verbundene Mastzellendegranulation zu reduzieren, die mit allergischen Symptomen einhergeht. Lokaler Honig nimmt kleine Mengen an lokalen Pollen auf, die helfen können, zu »immunisieren« oder eine übermäßig aktive Immunantwort auf diese Umweltauslöser zu reduzieren. Honig enthält auch das Enzym Glucoseoxidase, das Wasserstoffperoxid und Gluconsäure aus Glucose herstellt. Das durch dieses Enzym gebildete Wasserstoffperoxid wird mit den bekannten wundsterilisierenden und heilenden Eigenschaften des Honigs in Verbindung gebracht.

Honig und eine gesunde Darmflora

Honig ist außerdem reich an Präbiotika, wie einige der bereits erwähnten Oligosaccharide (beispielsweise Fructooligosaccharide, FOS) und Probiotika, die dazu beitragen, eine gesunde Darmflora zu unterstützen.

In letzter Zeit wurde eine aus Urzeiten stammende Reihe von nützlichen Milchsäurebakterien im Darm der Honigbiene entdeckt. Forscher fanden 50 neue Arten aus den Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium. Weitere Untersuchungen dieser Stämme zeigten, dass die Verbindung zwischen den Bienen und diesen Bakterien seit mindestens 80 Millionen Jahren besteht.7 Es ist also zu vermuten, dass sich der Konsum von Honig signifikant auf das Mikrobiom in unserem eigenen Darm auswirkt und eine Möglichkeit darstellt, wieder eine Verbindung zu einer Bakterienflora herzustellen, die in unserer modernen, sterilisierten, pasteurisierten, bestrahlten, vergifteten, gekochten und gebleichten Welt so gut wie aus unserer Umwelt, dem Boden, der Nahrung und somit dem Körper ausgelöscht wurde, mit der wir aber einst eine symbiotische Beziehung pflegten.

Die Fähigkeit des Honigs, das Wachstum nützlicher Bakterien zu unterstützen, wurde kürzlich in einer Studie nachgewiesen, die 2000 in Letters in Applied Microbiology veröffentlicht wurde. Hier verglichen Forscher die stimulierende Wirkung von Honig und Saccharose auf die Vermehrung von Milchsäurebakterien unter In-vitro-Bedingungen und fanden heraus, dass »die Lactobacillus-acidophilus- und Lactobacillus-plantarum-Werte sich unter dem Einfluss von Honig im Vergleich zu Saccharose um das 10- bis 10- bis 10-Fache erhöhten«. Ratten, die mit Honig gefüttert wurden, wiesen ebenfalls eine signifikante Erhöhung der Anzahl von Milchsäurebakterien auf.8

Die probiotisch verstärkenden Eigenschaften von Honig dürften eine Erklärung dafür liefern, warum er ein hochwirksames Antiinfektivum ist, mit dem nachweislich viele Magen-Darm-Erkrankungen geheilt werden können.

Darüber hinaus fasziniert die Tatsache, dass die Kombination von Honig und Kaffee klinisch erwiesenermaßen wirksam ist gegen Husten.

Die Biene und der Nektar der Götter

Wenn wir Honig wertschätzen, führt das unweigerlich zu einer Wertschätzung der Biene, und letztlich vielleicht zu einem geschärften Bewusstsein für die prekäre Beziehung, die derzeit zwischen unseren Arten besteht. Völlig kurzsichtig ist es, die Rolle der Biene bei der Bestäubung auf einen Wirtschaftswert von mehreren Milliarden Dollar pro Jahr zu reduzieren. Realität ist vielmehr, dass wir viel abhängiger von diesem Insekt sind, als es umgekehrt von uns ist. So lange wir »Pestizide« und verschiedenste Agrarchemikalien verwenden, die den natürlichen Lebensraum und das Mikrobiom der Bienen radikal verändern, oder Antibiotika, oder sie mit Maissirup füttern, der einen viel zu hohen Fruktosegehalt hat, oder verschiedene andere Manipulationen am Bienenstock vornehmen, und dann so tun, als seien der daraus resultierende Zusammenbruch ihrer Immunfunktionen und Sekundärinfektionen neuartige Krankheiten unbekannten Ursprungs, wie beispielsweise der als Bienensterben bekannte Kollaps ganzer Bienenvölker (Colony Collaps Disorder, CCD), dann überdecken wir damit nur Tatsachen, ganz ähnlich wie wir unsere eigene schleichende Selbstvergiftung vertuschen, die sich in verschiedensten mysteriösen Krankheiten äußert, deren Ursachen nicht erkennbar sind, deren eigentliche Ursache aber Behandlungsfehler oder Umwelteinflüsse sind.

Es wurde festgestellt, dass Bienenprodukte, einschließlich Bienengift, Wachs, Propolis, Gelée Royale und andere, potenzielle medizinische Lösungen für über 170 verschiedene gesundheitliche Probleme anbieten (siehe Bienenprodukte), die über 40 verschiedenen pharmakologischen Wirkungen entsprechen. Nicht zuletzt diese wachsende Forschungsarbeit sollte uns veranlassen, mehr Respekt vor diesem heiligen Insekt zu haben – wenn auch nur aus egoistischen Gründen – und wenn wir heilig sagen, dann ist das sowohl entomologisch als auch etymologisch gemeint, denn das Wort »heilig« hat die gleiche Wortwurzel wie »heil«.

Dieser Artikel erschien erstmals am 08. Dezember 2012 (aktualisiert am 08. September 2019) auf GreenMedinfo.com.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. Stefan Bogdanov, Tomislav Jurendic, Robert Sieber, Peter Gallmann, Honey for Nutrition and Health: A Review, J Am Coll Nutr December 2008 vol. 27 no. 6 677-689.
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2525476/.
  3. Crane E: History of honey. In Crane E (ed): Honey, A Comprehensive Survey. London: William Heinemann, S. 439– 488, 1975.
  4. D Enette Larson-Meyer, Kentz S Willis, Lindsey M Willis, Kathleen J Austin, Ann Marie Hart, Ashley B Breton, Brenda M Alexander. Effect of honey versus sucrose on appetite, appetite-regulating hormones, and postmeal thermogenesis. J Am Coll Nutr. 2010 Oct ;29(5):482-93. PMID: 21504975
  5. Noori S Al-Waili . Natural honey lowers plasma glucose, C-reactive protein, homocysteine, and blood lipids in healthy, diabetic, and hyperlipidemic subjects: comparison with dextrose and sucrose. J Med Food. 2004 ;7(1):100-7. PMID: 15117561
  6. Tricia M Nemoseck, Erin G Carmody, Allison Furchner-Evanson, Marsa Gleason, Amy Li, Hayley Potter, Lauren M Rezende, Kelly J Lane, Mark Kern. Honey promotes lower weight gain, adiposity, and triglycerides than sucrose in rats. Nutr Res. 2011 Jan ;31(1):55-60. PMID: 21310307
  7. Alejandra Vásquez, Eva Forsgren, Ingemar Fries, Robert J Paxton, Emilie Flaberg, Laszlo Szekely, Tobias C Olofsson. Symbionts as major modulators of insect health: lactic acid bacteria and honeybees. PLoS One. 2012 ;7(3):e33188. Epub 2012 Mar 12. PMID: 22427985
  8. T R Shamala, Y Shri Jyothi, P Saibaba. Stimulatory effect of honey on multiplication of lactic acid bacteria under in vitro and in vivo conditions. Lett Appl Microbiol. 2000 Jun ;30(6):453-5. PMID: 10849275

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