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Viele Patienten schätzen es, wenn sich ihr Arzt neben seiner schulmedizinischen Ausbildung auch mit sanfter Medizin auskennt. Deshalb gab es bislang die Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung »Homöopathie«. Doch damit soll bald Schluss sein. Still und heimlich schaffen immer mehr Landesärztekammern diese Ausbildung ab – und ignorieren vehement die Wünsche der Patienten.

Auf einen Blick
  1. Schon acht von siebzehn Landesärztekammern haben die ärztliche Weiterbildung zum Homöopathen gestrichen.
  2. Obwohl Patienten sich gerne für eine homöopathische Behandlung entscheiden, soll es in Zukunft keine ärztlichen Homöopathen mehr geben.
  3. Hauptargument ist die vermeintliche Wirkungslosigkeit von homöopathischen Therapien, obwohl das Gegenteil in Studien hinreichend bewiesen ist.
  4. Es können also weder die Evidenz noch die Patientensicherheit noch die Kosten für die Argumentation der Homöopathie-Gegner herhalten. Die Abschaffung der homöopathischen Weiterbildung der Ärzte ist also nichts anderes als eine nicht akzeptable Bevormundung der Patienten.

Landesärztekammern streichen Weiterbildung Homöopathie

Schon immer wurde die Homöopathie angezweifelt, verhöhnt und bekämpft. Doch was bislang geschah, war nichts im Vergleich zu dem, was aktuell betrieben wird: Die Weiterbildung für Ärzte zur Erlangung der Zusatzbezeichnung »Homöopathie« soll still und leise aus dem deutschen Gesundheitswesen verschwinden – und zwar ersatzlos. Sieben der siebzehn Landesärztekammern, die unter anderem auch für die Weiterbildungsangebote für die Ärzte in ihren Bundesländern zuständig sind, haben die Weiterbildung auf dem Gebiet der Homöopathie bereits gestrichen – Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern.

Die gesetzlichen Krankenkassen werden homöopathische Behandlungen durch Ärzte nicht mehr bezahlen
©chamillew – stock.adobe.com

Das bedeutet, dass die gesetzlichen Krankenkassen die homöopathische Behandlung durch Ärzte nicht mehr bezahlen werden. Was ja für daran interessierte Patienten vielleicht noch zu verkraften wäre. Teuer kommt in der Regel die homöopathische Erstanamnese, die mit etwa 90 bis 120 Euro zu Buche schlägt. Die homöopathischen Medikamente – Tropfen oder Globuli – sind in den überwiegenden Fällen vom Preis her überschaubar und bewegen sich meistens unter oder um 10 Euro.

Sollen homöopathische Ärzte aussterben?

Was aber für Patienten viel schlimmer ist: Es werden keine neuen Ärzte auf dem Gebiet der Homöopathie mehr ausgebildet. Dass der Bedarf dafür vorhanden ist, zeigt die Entwicklung der Anzahl homöopathischer Ärzte in den vergangenen Jahrzehnten. Waren es 1995 im gesamten Bundesgebiet noch 1.321 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung »Homöopathie«, stieg diese Zahl bis 2017 auf 6.898 an. Dass es sich dabei um keinen im Rahmen einer Wochenendveranstaltung zu erlangenden Titel handelt, zeigt ein Blick in die Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO) der Bundesärztekammer.1

Dort heißt es: »Die Zusatz-Weiterbildung Homöopathie umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die konservative Behandlung mit homöopathischen Arzneimitteln, die aufgrund individueller Krankheitszeichen als Einzelmittel nach dem Ähnlichkeitsprinzip angewendet werden.« Und in Paragraph 11 MWBO sind die Mindestanforderung festgelegt, die zum Führen der Zusatzbezeichnung Homöopathie berechtigen:

  • Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung und zusätzlich
  • 240 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß §4 Abs. 8 in Homöopathie und zusätzlich
  • 100 Stunden Fallseminare unter Supervision. Die Fallseminare können durch 6 Monate Weiterbildung unter Befugnis an Weiterbildungsstätten ersetzt werden.

Homöopathisch ausgebildete Ärzte sind keine Mediziner, die zur Gefälligkeit ihrer Patienten schnell mal ein paar Kügelchen oder Tropfen verordnen. Vielmehr ist die Ausbildung sehr fundiert und geht ins Detail. Neben den philosophischen, wissenschaftlichen und rechtlichen Grundlagen der Homöopathie vermittelt sie homöopathisches Wissen zur Krankheitslehre und Anamnese, zur Arzneimittel- und Dosierungslehre, zur Therapie und zu den Grenzen der homöopathischen Behandlung.

Mit gezielten Fehlinformationen wird die Homöopathie schlechtgemacht

Trotzdem: »Angesichts fehlender Plausibilität zu den Wirkprinzipien der Homöopathie ist es Mode geworden, deren therapeutische Wirksamkeit in Abrede zu stellen, obwohl die hierzu publizierte Evidenz für eine Wirksamkeit spricht. Dennoch werden als Ausdruck von Ignoranz oder einer bewussten Stimmungsmache gegen die Homöopathie wissenschaftliche Fehlinformationen lanciert,« schreibt Prof. Dr. Peter F. Matthiessen in der Deutschen Zeitschrift für Onkologie,2 welcher im Auftrag der deutschen Bundesregierung von 1986 bis 1996 die erste akademische Bestandsaufnahme der Komplementärmedizin in Deutschland vornahm.

Hauptkritikpunkt der Gegner der Homöopathie ist, dass homöopathische Medikamente so hergestellt werden,3 dass von ihnen angeblich keine Wirkung ausgeht und sie bei der Behandlung von Krankheiten deshalb auch nichts bewirken können. Schuld daran ist die nur schwer nachvollziehbare Herstellung der Mittel. Dabei werden zum Beispiel aus Pflanzen gewonnene und in Ethanol gelöste Wirkstoffe »verschüttelt«, wie der Homöopath es bezeichnet.

Diese »Potenzierung« erfolgt durch Verdünnung mit Wasser im Verhältnis 1:10 (D-Potenzen) bis hin zu 1:50.000 (Q-Potenzen). Die Herstellung der Globuli erfolgt natürlich nicht durch »verschütteln«, sondern durch »verreiben«, wobei der Wirkstoff mit Milchzucker verdünnt wird. Rein rechnerisch befindet sich dann in den Endprodukten nichts mehr vom Ausgangswirkstoff, dennoch wirken sie.

Die energetische Information des Ausgangswirkstoffs zur Behandlung von Krankheiten ist darin noch enthalten.

Wo nichts mehr ist, kann auch nichts helfen

Aber genau das ist das Argument, mit dem die einzelnen Landesärztekammern die Homöopathie-Weiterbildung abschaffen. Sie sagen: »Wenn nichts hilft, können wir darin auch nicht ausbilden« – und verweisen auf fehlende Studien, mit denen die Wirksamkeit der Homöopathie bewiesen wird. Dass es diese Studien durchaus gibt und diese mit seriösen wissenschaftlichen Methoden angefertigt wurden, wird generös verschwiegen. Zum Beispiel:

● In einer internationalen Multicenter-Studie4 wurden von 456 Patienten mit Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege sowie der Ohren 281 homöopathisch und 175 konventionell behandelt. Von den homöopathisch behandelten Patienten waren nach 14 Tagen 82,6 Prozent beschwerdefrei und von den konventionell behandelten 68 Prozent. Bereits 3 Tage nach Beginn der Behandlung zeigte sich bei 67,3 Prozent der homöopathischen Patienten eine deutliche Besserung und unter den konventionellen Patienten bei 56,6 Prozent. Von den homöopathischen Patienten zeigten 7,8 Prozent unerwünschte Nebenwirkungen, bei den konventionellen Patienten waren es 22,3 Prozent.

● Eine der bislang größten Studien zur ambulanten homöopathischen Versorgung von Patienten wurde von der Charité in Berlin5 vorgenommen. Über einen Zeitraum von 8 Jahren wurden in mehr als 100 deutschen und schweizerischen Arztpraxen insgesamt 3.981 Patienten mit langjährigen chronischen Erkrankungen wie Kopfschmerzen, Migräne, allergischem Schnupfen, Bluthochdruck, Neurodermitis und erhöhter Infektanfälligkeit homöopathisch behandelt. Bei mehr als der Hälfte der Patienten zeigte sich bereits nach den ersten 3 Behandlungsmonaten eine deutliche Besserung der chronischen Beschwerden, die mindestens für die 8 Jahre6 danach anhielt. Dann wurde die Beobachtung beendet.

● Ähnliche Beispiele lassen sich noch viele nennen: In einer norwegischen Studie mit 1.097 Patienten7 und verschiedenen Beschwerden zeigte sich bei 768 homöopathisch behandelten Patienten eine deutliche Besserung ihrer Probleme.

● In einer Studie mit 639 Patienten8, die an verschiedenen Krebserkrankungen litten, erhielten 380 Patienten eine ausschließlich konventionelle Therapie und 259 Patienten ergänzend zur konventionellen Behandlung eine homöopathische Begleitung. Bei den Patienten mit homöopathischer Ergänzung ihrer Therapie war die Lebensqualität trotz onkologischer Grundtherapie signifikant besser.

Gerade wegen ihrer nebenwirkungsarmen Wirkung eignen sich homöopathische Mittel auch hervorragend zur Behandlung von Kindern
©epixproductions – stock.adobe.com

Homöopathie wirkt und kommt günstiger

Warum also, erfährt die Homöopathie nur selten breite wissenschaftliche Anerkennung?

● Ist es die angeblich fehlende Evidenz? Dass Wirkung und Erfolg nicht wissenschaftlich überprüf- und wiederholbar sind? Daran kann es wohl kaum liegen, denn auch von den schulmedizinischen Verfahren sind weniger als 20 Prozent evidenzbasiert.9

● Liegt es daran, dass homöopathische Medikamente zu gefährlich sind und zu viele Nebenwirkungen hervorrufen? Auch das kann es nicht sein. Im günstigen Fall verursachen sie eine etwas heftigere, aber umso heilsamere Reaktion. Im schlimmsten Fall verpuffen sie wirkungslos. Ganz im Gegensatz zu schulmedizinischen Medikamenten: Jedes Jahr werden mehr als 200.000 Patienten10 mit akuter Arzneimittelvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert – weil sie ihr Medikament zum Beispiel falsch oder nicht richtig dosiert eingenommen haben.

● Oder liegt es daran, dass die Homöopathie zu teuer kommt, wie ihre Kritiker gerne behaupten? Auch das kann es nicht sein. Die gesamten Ausgaben für homöopathische Behandlungen inklusive homöopathischer Medikamente betragen lediglich 0,003 Prozent11 der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen. Also so wenig, dass es nicht einmal auffällt, selbst wenn man sehr genau hinsieht.

Nicht hinzunehmende Bevormundung

Was also soll das Ganze? Zielt es wieder einmal darauf ab, den »doofen« Patienten zu bevormunden und ihm zu nehmen, was er nicht beanspruchen soll? Ist der mündige Patient doch nicht erwünscht? Es sieht ganz so aus. Rund drei Viertel aller Patienten sind der Homöopathie nicht abgeneigt. Und würden sich auch einmal gerne homöopathisch behandeln lassen. Die Abschaffung der homöopathischen Weiterbildung der Ärzte ist also nichts anderes als eine nicht akzeptable Bevormundung der Patienten.

Natürlich muss kontrolliert werden, dass unter dem Deckmantel der Homöopathie keine nicht haltbaren Heilversprechungen gemacht werden. Natürlich muss gewährleistet sein, dass keine notwendigen schulmedizinischen Behandlungen verschleppt oder verhindert werden. Und natürlich muss sicher sein, dass jeder Homöopath die Grenzen seiner Heilkunst kennt und auch einhält.

Aber ansonsten wäre es doch am besten, wenn man die Entscheidung für oder gegen die Homöopathie ganz alleine den Patienten überließe. Bringt eine homöopathische Behandlung nichts und ist der Patient unzufrieden, wird er sie in Zukunft nicht mehr in Anspruch nehmen. Bringt sie ihm jedoch Besserung und fühlt er sich wohl damit, wird er sich auch weiter homöopathisch behandeln lassen. Das ist ein höchst einfacher Mechanismus, der auf leicht nachvollziehbare Weise die Spreu vom Weizen trennt – ganz ohne Bevormundung und ohne Missachtung des mündigen Patientenwillens.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. Bundesärztekammer: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018.
  2. Matthiessen PF: »Homöopathie und intellektuelle Redlichkeit – eine Stellungnahme.« Deutsche Zeitschrift für Onkologie, 2018; 50(04): 172-177, DOI: 10.1055/a-0758-9471
  3. DHU: Herstellung und Qualität.
  4. Haidvogl M, Riley DS, Heger M et al.: »Homeopathic and conventional treatment for acute respiratory and ear complaints: A comparative study on outcome in the primary care setting«, BMC Complementary and Alternative Medicine, Volume 7, Article Number: 7 (2007), doi.org/10.1186/1472-6882-7-7.
  5. Witt CM, Lüdtke R, Baur R, Willich SN: »Homeopathic medical practice: Long-term results of a cohort study with 3981 patients,« BMC Public Health 5, 115 (2005). doi.org/10.1186/1471-2458-5-115.
  6. Witt CM, Lüdtke R, Mengler N et al.: »How healthy are chronically ill patients after eight years of homeopathic treatment? – Results from a long term observational study«. BMC Public Health 8, 413 (2008). doi.org/10.1186/1471-2458-8-413.
  7. Steinsbekk A, Lüdtke R: »Patients‘ Assessments of the Effectiveness of Homeopathic Care in Norway: A Prospective Observational Multicentre Outcome Study«, Homeopathy, 2005 Jan;94(1):10-6. doi: 10.1016/j.homp.2004.11.016.
  8. Rostock M, Naumann J, Guethlin C et al.: »Classical homeopathy in the treatment of cancer patients – a prospective observational study of two independent cohorts«. BMC Cancer 11, 19 (2011). doi.org/10.1186/1471-2407-11-19.
  9. Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte e.V. (DZVhÄ): »Zusatzbezeichnung ändert nichts an Bedeutung der Homöopathie« (Pressemeldung vom 16.11.2019)
  10. Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin: »Akute Arzneimittelvergiftungen sind eine häufige Ursache für eine Einweisung ins Krankenhaus.« Patienteninformation (08.01.2019)
  11. Oberhuber N: »Millionen für Placebos.« Zeit online, 29.12.2016.

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