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Das Coronavirus greift um sich. Eine weltweite Pandemie kann vermutlich nicht mehr gestoppt werden. Alleine in Deutschland gibt es immer mehr Betroffene und leider auch Tote. Experten schätzen, dass sich bis zum Ende der Krise wohl 60 bis 70 Prozent aller Deutschen mit dem Virus anstecken werden. Das hätte vermutlich verhindert werden können.

Auf einen Blick
  1. Jetzt ist eingetreten, worüber immer geredet, aber womit nie gerechnet wurde: Ein bislang unbekanntes Virus breitete sich in der Welt aus.
  2. Wichtige und dringend benötigte Medikamente in Europa werden knapp, weil deren Produktion und Verarbeitung von den Pharmaunternehmen nach China und Indien verlagert wurde. Sträfliche Profitgier?
  3. Hilflosigkeit und Überforderung führen dazu, dass wichtige Hilfsmaterialien wie Desinfektionsmittel und Schutzanzüge zur Mangelware wurden.
  4. Anstatt zentral verbindliche Anordnungen zur Eindämmung der Virusausbreitung treffen zu können, wird die Durchführung von Schutzmaßnahmen regional bestimmt – teils ohne ausreichendes Fachwissen.
  5. Dringend notwendig für zukünftige Bedrohungen durch neuartige Krankheitserreger ist die Planung und Festlegung eines angemessenen Krisenmanagements.

Lautes Gezeter und Gegacker

Es war einmal … ein ruhiges und friedliches Deutschland. Allenfalls die Militärausgabennörgeleien und Zollfantasien der Marke Trump oder die Kriegslüsternheiten und Flüchtlingsrepressalien der Marke Erdogan störten die Ruhe. Im Land verbrachten die großen Parteien viel Zeit damit, sich selbst zu zerlegen. Notorische politische Störenfriede mit beängstigendem Zulauf beschäftigten die Bevölkerung mit immer neuen, sinnplatten Alternativen für Deutschland. Unter dem Strich aber hatten es die meisten gut und nicht das geringste Interesse daran, sich auch nur im Entferntesten zumindest hypothetisch mit Krisen und deren Bewältigung zu befassen.

Auch in Deutschland steigt die Zahl der Coronainfizierten rasant an
©Halfpoint – stock.adobe.com

Bis da dieser Angriff aus dem Mikrokosmos chinesischen Ursprungs kam. Während die einen den Kopf einzogen und sich wegduckten, erhoben die anderen lautes Gezeter und Gegacker. Und plötzlich wurde offenbar, dass niemand ernsthaft auf eine solche Situation vorbereitet war. Erst als es weltweit bereits mehr als 100.000 Coronainfizierte und über 4.000 Tote gab, kam Hektik auf und bisherige Versäumnisse wurden wahrgenommen.

Wichtige Medikamente werden knapp

Dringend benötigte Arzneimittel wie etwa gegen Bluthochdruck und Schmerzen, Depressionen sowie Antibiotika sind plötzlich nicht mehr ohne Probleme erhältlich.1 Selbst in manchen Kliniken können medikamentöse Verordnungen nicht mehr erfüllt werden. Zwar zeichneten sich diese Engpässe schon länger ab, doch unbedarft hoffte man, dass sich alles schon irgendwie regeln würde. Waren im Oktober letzten Jahres nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bereits 239 Medikamente nicht mehr lieferbar, stieg diese Zahl Anfang 2020 auf 277 Medikamente. Der Grund: Die Pharmabranche bekommt den Hals nicht voll, Politiker sehen wohlwollend darüber hinweg.

Nach einer Rechnung des Finanzdienstes Bloomberg machten zuletzt alleine die zehn größten Pharmaunternehmen mit einem Umsatz von 455 Milliarden Dollar schöne 138 Milliarden Dollar Gewinn. Weshalb bei diesen fluffigen Zahlen nun Lieferengpässe in Deutschland? Weil man sich mit Dollarzeichen in den Augen gerne immer größerer Abhängigkeit auslieferte und die Produktion von Medikamentenwirkstoffen mehr und mehr von Europa nach China verlagerte. Dort kommt es billiger und verspricht höhere Gewinne. Rund 90 Prozent aller Wirkstoffe für Generika und etwa 50 Prozent der Wirkstoffe für patentgeschützte Arzneimittel werden in China hergestellt. Was für ein Pech, dass »wg. Coronavirus« dort die Produktion eingestellt wurde – und Kranke in Europa nun ohne ihre dringend benötigten Medikamente dasitzen. Den Gewinn der Pharmamultis wird das nur kurze Zeit schmälern, den chronisch Kranken aber womöglich langfristig schaden. Erschwerend kommt hinzu: Eine nennenswerte Lagerhaltung für Medikamente gibt es in Europa kaum mehr.2 Das kommt teuer und schmälert die Pharmagewinne.

So wird der Umweg noch größer

Wichtige Medikamente werden knapp
©Patrick Bonnor – stock.adobe.com

Häufig ist es so, dass in China hergestellte Wirkstoffe – zum Beispiel für Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol – nach Europa geliefert, hier zu Tabletten oder Kapseln verarbeitet und dann in bunte Schachteln verpackt werden. Kein Mensch kann sehen, dass sein Medikament eigentlich aus China kommt. Findige Pharmabosse haben jedoch einen Weg gefunden, das Ganze noch kostengünstiger zu gestalten. Sie lassen die Wirkstoffe von China nach Indien bringen und die Medikamente dann dort fertig verarbeiten und verpacken.

Allerdings versiegt auch in Indien allmählich der Wirkstoffnachschub, wie die indische Exportförderungsbehörde für Arzneimittel Dinesh Dua bekannt gab.3 Insgesamt 26 verschiedene Arzneimittel können deshalb schon nicht mehr wie geplant nach Europa geliefert werden. Hinzu kommt: Auch in Indien gibt es Menschen, die hin und wieder unter Kopfschmerzen leiden – und deshalb Schmerzmittel benötigen. Sollte sich für Indien ein Engpass abzeichnen, werde man kurzerhand einfach keine Ausfuhrerlaubnis mehr erteilen und die Medikamente im Land behalten, verkündete das indische Handelsministerium. Europas Patienten sind wieder die Doofen!

Vorausdenken = Fehlanzeige

Das Virus, das zwar seit Wochen in China wütete, kam so plötzlich und überraschend nach Deutschland, dass es hier an allem fehlt, was wichtig ist: Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken, Schutzhandschuhe und -anzüge. Noch unverständlicher: Statt einen Vorrat für den Mindestbedarf anzulegen, wurden 8,7 Tonnen4 Hilfsmittel nach China geschickt – so viel, dass es hierzulande jetzt zu einem Mangel kam.

Damit das nicht falsch verstanden wird: Aus humanitären Gründen ist es vollkommen richtig und angebracht, andere mit dringend benötigtem Hilfsmaterial zu unterstützen. Aber es sollte zumindest überlegt werden, wie viel zu Hause gebraucht wird. Weitergegeben wird dann das, was nicht darunter fällt. Das ist nicht egoistisch, sondern hemmt die Ausbreitung des Virus und schützt somit auch die Menschen in den Nachbarländern. Erst spät – viel zu spät – hat der Staat die Ausfuhr dringend benötigter Hilfsmaterialien untersagt.

Abwarten, zaudern und zögern

Schlimm genug, wie die Bevölkerung Italiens unter dem Virus leidet – Tausende Infizierte, Hunderte Tote. Noch schlimmer aber, dass ganze Heerscharen von Schülern und Eltern aus den südlichen Bundesländern der Republik während der Faschingsferien in diesen Virus-Zirkus zum Wintersport fuhren. Am schlimmsten aber: Nach den Ferien gingen die Schüler in ihre Schulen und brachten das Virus zur Verbreitung dorthin mit.

Die Schließung von Schulen ist bundesweit nicht einheitlich geregelt
©Irina Schmidt – stock.adobe.com

Mittlerweile wurden Dutzende von Schulen wegen Infektionsfällen geschlossen. Es dauerte eine ganze Woche (!) bis die Verantwortlichen der Schulbehörden sich dazu durchringen konnten, Schüler, die in Risikogebieten die Ferien verbrachten, für die Dauer der Inkubationszeit vom Schulbesuch auszuschließen und damit Lehrer und andere Schüler vor einer Ansteckung zu schützen. Doch anstatt beherzt und konsequent zu reagieren ist es bezeichnend für das Krisenmanagement, dass Zaudern und Zögern vor Handeln kommt – nicht nur in den südlichen Bundesländern, sondern im gesamten Bundesgebiet.

Alle reden durcheinander

Hektisches Gequatsche, Wichtigtuerei und Vordrängeln ins Rampenlicht – so sieht vielerorts das Krisenmanagement aus. Zum Beispiel große und größere Veranstaltungen: Beraten von namhaften und renommierten Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Virenerforschung und -bekämpfung empfiehlt der Bundesgesundheitsminister, Großveranstaltungen abzusagen. Die Betonung liegt auf »empfiehlt«. Das ist keine verbindliche Anordnung. Dafür sind regionale Behörden vor Ort zuständig. Doch ob der vor Ort zuständige Amtsarzt, der sein Wissen über Virologie womöglich nur am Rande erworben hat, die Situation richtig einschätzt, ist offen. Mancherorts werden Veranstaltungen genehmigt und durchgeführt, die optimale Voraussetzungen für die Verbreitung von Viren bieten.

Auch wenn Föderalismus die Basis der Demokratie ist, müssen im Krisenfall Grenzen gezogen werden. Es braucht eine zentrale Institution, die im Krisenfall verbindlich vorgeben kann, welche Maßnahmen ergriffen und was verboten werden muss. Einen Schaden für die Demokratie bedeutet das nicht, schließlich ist diese Institution zeitlich begrenzt, bis die Krise überwunden ist. Und bei den Verboten muss gewährleistet sein, dass es sich in keinem Fall um Gesinnungsverbote handelt (auch wenn so manche Partei die Krisensituation nur allzu gerne dafür missbrauchen würde).

Planung und Vorbereitung für die Zukunft

Auch wenn es mit all den Todesfällen ernst und dramatisch ist: Das Coronavirus sollte als Chance begriffen werden. Mit Sicherheit wird es nicht die letzte Pandemie sein, die die Menschheit überkommt. Doch mit Abstand betrachtet, kommt diese noch einmal mit einem tiefblauen Auge davon. Das Todesrisiko bei einer Coronavirus-Infektion wird zwischen 1 und 2 Prozent eingeschätzt. Doch was ist, wenn sich ein Virus wie das Ebolavirus aufmacht, die Welt zu erobern. Hier liegt die Mortalität bei etwa 90 Prozent. Auf so eine Situation ist das Krisenmanagement in der Bundesrepublik nicht einmal annähernd eingerichtet. Ehe das Durcheinanderquatschen verhallt ist, wären die meisten schon tot.

Deshalb: Nach überstandener Coronavirus-Krise sollte an allererster Stelle stehen, ein vernünftiges und konsequentes Krisenmanagement einzurichten und dieses mit der nötigen Macht auszustatten, Anordnungen verbindlich auszusprechen und notfalls auch gegen Widerstand durchzusetzen. Wie gesagt, alles stets auf der Basis, dass es zeitlich begrenzt ist und nicht in Gesinnungsverbote mündet. Nur so kann weitgehend gewährleistet werden, dass eine Krise uns nicht – wie dieses Mal – eiskalt erwischt …

Quellen & weiterführende Informationen

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