Skip to Content

Die Lyme-Borreliose ist aufgrund ihrer bekannten formverschiebenden (pleomorphen) Fähigkeiten äußerst schwierig zu behandeln, wobei konventionelle Antibiotika oft keine langfristige Heilung bewirken. Könnte die häufig verwendete natürliche Pflanze Stevia ein sichereres und wirksameres Mittel zur Bekämpfung dieser immer häufiger auftretenden Infektion sein?

Auf einen Blick
  1. Stevia verfügt wie alle Pflanzen über eingebaute phytochemische Abwehrsysteme, die sie vor Infektionen schützen. Diese Stoffe können wir uns durch ihren Verzehr mitunter selbst zunutze machen.
  2. Die Zahl der durch Zeckenstiche verursachten Borreliose-Fälle in Deutschland wird auf jährlich 214.000 Fälle geschätzt. (Anmerkung d. Red.) Die konventionelle Standardversorgung setzt auf Antibiotika. Allerdings sind diese nicht nur toxisch, sondern stehen zunehmend auf dem Prüfstand, da sie nur die vordergründigen Aspekte der Infektion behandeln.
  3. Den das Heimtückische ist, dass der Borreliose-Erreger B. burgdorferi, seine Form verändern kann, um einer Eradikation mit konventionellen Mitteln zu entgehen. Außerdem bildet die Biofilmbildung eine bedeutende Barriere gegen die meisten herkömmlichen Antibiotika. Eine vorläufige Studie deutet darauf hin, dass das Naturprodukt Stevia durchaus als potenzielles Mittel zur Unterstützung dienen kann.

Wie eine vielversprechende neue präklinische Studie gezeigt hat, hat der Extrakt aus ganzen Steviablättern eine außergewöhnliche antibiotische Wirkung gegen den äußerst schwierig zu behandelnden Erreger Borrelia burgdorferi, von dem bekannt ist, dass er die Lyme-Borreliose verursacht. Die Studie ergab:

Stevia-Vollblattextrakt ist als Einzelwirkstoff gegen alle bekannten morphologischen Formen von B. burgdorferi wirksam.

Gegenwärtig räumt die Seuchenschutzbehörde CDC (Centers for Desease Control and Prevention) ein, dass jährlich mindestens 300.000 Menschen mit Borreliose infiziert werden,1 wobei sich die konventionelle Standardversorgung auf Antibiotika verlässt. Allerdings sind diese nicht nur toxisch, sondern stehen zunehmend auf dem Prüfstand, da sie nur die vordergründigen Aspekte der Infektion behandeln, wodurch die antibiotikaresistenten Lymeerreger oft im Organismus verbleiben und weiteren Schaden anrichten.

Nicht nur lästig, sondern tatsächlich auch gefährlich: Jedes Jahr von Neuem beginnt im Frühsommer die Zeckensaison.
©Smileus – stock.adobe.com

Der Borreliose-Erreger – ein heimtückisches Chamäleon

B. burgdorferi hat einen komplexen Lebenszyklus und kann in völlig unterschiedlichen Formen existieren: Spirochäten, Sphäroplasten (oder L-Form, bei der eine Zellwand fehlt), Rundkörper oder Zystenform (die eine Ruhephase ermöglicht und dem PCR-Nachweis entgeht) und hochgradig antibiotikaresistente Biofilme.

Diese pleomorphe Eigenschaft macht die konventionelle Behandlung außerordentlich schwierig, da einige konventionelle Antibiotika zwar gegen Formen mit einer Zellwand wie Spirochäten wirksam sind, nicht aber gegen solche ohne Zellwand. Dies ermöglicht es B. burgdorferi, seine Form zu verändern, um einer Eradikation mit konventionellen Mitteln zu entgehen. Außerdem bildet die Biofilmbildung eine bedeutende Barriere gegen die meisten herkömmlichen Antibiotika, selbst wenn sie in Kombination eingesetzt werden. Es wurde kürzlich darauf hingewiesen, dies sei der wirksamste Resistenzmechanismus.

Originalartikel European Journal of Microbiology & Immunology

Stevia vs. Antibiotika – die Studie

Die neue Studie2 wurde im European Journal of Microbiology & Immunology unter dem Titel »Effectiveness of Stevia Rebaudiana Whole Leaf Extract Against the Various Morphological Forms of Borrelia Burgdorferi in Vitro« (Wirksamkeit von Stevia-Rebaudiana-Vollblattextrakt gegen die verschiedenen morphologischen Formen von Borrelia burgdorferi in vitro) veröffentlicht und von Forschern der Abteilung für Biologie und Umweltwissenschaften der University of New Haven, West Haven, CT, durchgeführt.

Die Wissenschaftler zogen einen direkten Vergleich zwischen einem Alkoholextrakt aus einem Produkt aus ganzen Steviablättern, das häufig auf dem US-Einzelhandelsmarkt zu finden ist, mit konventionellen Antibiotika und bewerteten deren jeweiligen Fähigkeiten, die verschiedenen Formen von Borrelia burgdorferi, einschließlich der sogenannten Persisterformen, abzutöten.

Die Studie wies darauf hin, dass nach Angaben der CDC etwa 10 bis 20 Prozent der Borreliosepatienten, die während der empfohlenen 2 bis 4 Wochen mit Antibiotika behandelt werden, unerwünschte Nebenwirkungen wie Müdigkeit, allgemeine oder Gelenk- und Muskelschmerzen aufweisen. Bei einigen von ihnen halten sie länger als 6 Monate an. Diese Symptome werden oft als »chronische Borreliose« oder »Borreliosesyndrom nach der Behandlung« bezeichnet.

Während die unerwünschten Wirkungen von Antibiotika, einschließlich ihrer Zerstörung nützlicher Mikroben im Darm, für dieses Syndrom verantwortlich sein können, besteht eine andere Möglichkeit darin, dass die Medikamente antibiotikaresistente Formen der Krankheit tiefer in den Organismus treiben, was zu einem verstärkten krankheitsbedingten Unwohlsein führt.

Das Potenzial von Stevia als antimikrobielles Mittel

Angesichts der bekannten Herausforderungen bei der Ausrottung von B. burgdorferi durch konventionelle Antibiotika untersuchten die Forscher das Potenzial von Stevia als antimikrobielles Mittel.

Stevia wird normalerweise nicht als antimikrobielles Mittel betrachtet, doch alle Pflanzen verfügen über eingebaute phytochemische Abwehrsysteme, die sie vor Infektionen schützen und die wir uns durch ihren Verzehr manchmal selbst zunutze machen und davon profitieren können. Die Forscher gehen näher auf diesen Punkt ein:

»Der Blattextrakt von Stevia besitzt viele Phytochemikalien, darunter Austroinullin, β-Carotin, Dulcosid, Nilacin, Rebaudioxide, Riboflavin, Steviol, Steviosid und Tiamin mit bekannten antimikrobiellen Eigenschaften gegen viele Pathogene. Die Rolle dieser Verbindungen besteht hauptsächlich darin, die Pflanze vor mikrobieller Infektion und ungünstigen Umweltbedingungen zu schützen.«

Die Forscher untersuchten die potenzielle Wirksamkeit von Stevia gegen B. burgdorferi-Kulturen und verglichen es mit drei gebräuchlichen Antibiotika, die manchmal zur Behandlung der Lyme-Borreliose eingesetzt werden: Doxycyclin, Cefoperazon, Daptomycin sowie deren Kombination.

Die Studienergebnisse wurden wie folgt zusammengefasst:

»Die Anfälligkeit der jeweiligen Formen wurde durch verschiedene quantitative Techniken sowie unterschiedliche Mikroskopiemethoden bewertet. Die Wirksamkeit von Stevia wurde mit der von Doxycyclin, Cefoperazon, Daptomycin und deren Kombinationen verglichen. Wie unsere Ergebnisse zeigten, hatte Stevia eine signifikante Wirkung bei der Eliminierung von B. burgdorferi-Spirochäten und -Persistern. Subkulturexperimente mit Zellen, die mit Stevia und mit Antibiotika behandelt waren, liefen über 7 und 14 Tage und ergaben im Vergleich zu den oben erwähnten Antibiotika und deren Kombinationen keine beziehungweise nur 10 Prozent lebensfähige Zellen. Als Stevia und die drei Antibiotika gegen anhaftende Biofilme getestet wurden, reduzierte Stevia die B. burgdorferi-Formen signifikant. Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass ein Naturprodukt wie der Stevia-Blattextrakt als wirksames Mittel gegen B. burgdorferi angesehen werden könnte.«

Bemerkenswert an dieser Studie ist, dass die am stärksten antibiotikaresistente Form von B. burgdorferi, die Biofilmform, bei Verabreichung einzelner Antibiotika tatsächlich an Masse zunahm. Stevia hingegen reduzierte die Biofilmmasse auf beiden getesteten Oberflächen (Kunststoff und Kollagen) um etwa 40 Prozent.

Interessant ist auch, dass sich der Stevosid-Extrakt selbst nicht als wirksames antimikrobielles Mittel gegen B. burgdorferi herausstellte und auch keine Wirkung auf resistente Zellen hatte. Steviaprodukte aus dem Massenmarkt, einschließlich Truvia von Coca-Cola (eine ironische Markenbezeichnung, wenn man bedenkt, dass es nicht die wirklich therapeutischen Eigenschaften von ganzem Stevia hat), hätten daher nicht die medizinischen Eigenschaften, die mit dem ganzen Kräuterextrakt verbunden sind.

Dies spricht natürlich für den in der Naturmedizin bekannten Grundsatz, dass die Wirksamkeit des Ganzen weder durch nur einen Teil reproduziert werden kann, noch ist die therapeutische Wirksamkeit des Ganzen identisch mit der Summe seiner Teile.

Erfolgversprechendes Fazit

Obwohl dies nur eine vorläufige Studie ist und nicht so interpretiert werden sollte, dass der Verzehr von Stevia-Gesamtextrakt zu klinischen Verbesserungen führt, die mit denen konventioneller Antibiotika vergleichbar oder ihnen überlegen sind, öffnet es die Tür für zukünftige Forschungen zu diesem Thema.

Dennoch könnte jeder, der über natürliche Methoden nachdenkt, eine Infektion mit Borreliose zu verhindern oder als Zusatztherapie konventionelle Behandlungen der Krankheit zu unterstützen, diese sichere, auf Nahrungsmitteln basierende Substanz als potenzielles Mittel zur Unterstützung und Synergie nutzen. Sicherlich gibt es wenig bis gar keine Anzeichen dafür, dass Stevia im Gegensatz zu konventionellen Behandlungen Schaden anrichten könnte.

Dieser Artikel erschien erstmals am 22. Januar 2016 auf GreenMedinfo.com.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. https://www.cdc.gov/media/releases/2013/p0819-lyme-disease.html„>CDC, Pressemeldung 19. August 2013: »CDC provides estimate of Americans diagnosed with Lyme disease each year«
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4681354/#!po=2.94118„>Theophilus PAS, Victoria MJ, Socarras KM et al.: »Effectiveness of Stevia Rebaudiana Whole Leaf Extract Against the Various Morphological Forms of Borrelia Burgdorferi in Vitro« Eur J Microbiol Immunol (Bp). 12. November 2015;5(4):268-80. doi: 10.1556/1886.2015.00031.

Passend zum Thema

Der Einfluss von Magnesium auf Ihren Vitamin-D-Spiegel

Magnesium und Vitamin D stehen in einer engen Wechselwirkung. Unser Körper braucht Magnesium für den Vitamin-D-Stoffwechsel. Um Ihren Körper ausreichend mit Vitamin D zu versorgen, braucht es Magnesium. Das ist besonders für ältere Menschen wichtig, denn Vitamin D hilft die Elastizität des Gehirns zu verbessern oder COVID-19 abzuwehren.

... mehr lesen

Sonnenschutz: Wie gefährlich sind Sonnencremes & Co.?

Wer sich vor Sonnenbrand, Hautkrebs und vorzeitiger Hautalterung schützen möchte, stellt sich vielleicht die Frage, ob Sonnencreme möglicherweise nicht nur schützt, sondern auch schadet. Aktuelle Forschungen legen den Verdacht nahe, dass bestimmte UV-Filter schädlich für Mensch und Umwelt sein könnten.

... mehr lesen

Ist Krebs in Wahrheit eine Kollagenkrankheit?

Herkömmliche Krebsbehandlungen können die Ausbreitung und das Eindringen von Krebszellen in andere Organe und Gewebe meist nicht verhindern. Bei den molekularen Vorgängen, die die Krebszellen zur Fortbewegung im menschlichen Körper befähigen, spielt die Kollagenbildung eine große Rolle – ein Hoffnungsschimmer für die Therapie.

... mehr lesen

Wie die Chinesen COVID-19 behandeln

Der asiatische Ansatz zur Behandlung von COVID-19 unterscheidet sich von unserem, und er scheint erfolgreich zu sein. China, Thailand und Laos setzen auf Kapseln mit dreizehn chinesischen Kräutern, die bei Patienten mit leichten Symptomen eine heilsame Wirkung haben und helfen, Fieber, Husten und Müdigkeit zu lindern.

... mehr lesen
Back to top