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Die Herdenimmunitätsschwelle für COVID-19 könnte weit niedriger sein als ursprünglich erwartet. Einige Wissenschaftler glauben, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen auf der Welt bereits immun sind.

Auf einen Blick
  1. In den frühen Tagen der COVID-19-Pandemie schätzten einige Experten, dass möglicherweise 70 Prozent der Bevölkerung oder mehr Immunität erlangen müssten, ehe COVID-19 unter Kontrolle gebracht werden kann.
  2. Jetzt gehen mehr als ein Dutzend Wissenschaftler davon aus, dass der Herdenimmunitätsschwellenwert (HIT) für COVID-19 wahrscheinlich bei 50 Prozent oder niedriger liegt. Einige Experten meinen sogar, er könne sich auf nur 10 bis 20 Prozent belaufen.
  3. Die anfänglichen Berechnungen für den HIT von COVID-19 basierten auf der Annahme, dass jeder Mensch die gleiche Anfälligkeit hat und sich die Ansteckung zufällig mit anderen Personen in der Bevölkerung vollziehen würde. Doch wenn man reale Alltagsbedingungen in die Gleichung einbezieht, sinkt der HIT signifikant.
  4. In Schweden, wo es keine strikten Lockdown-Maßnahmen gab, geht man »mit ziemlicher Sicherheit« davon aus, dass die Herdenimmunität erreicht wurde und die COVID-19-Epidemie im Grunde vorüber ist.

Immer wenn ein neuartiges Virus in eine Bevölkerung eingeschleppt wird, erwerben am Ende genügend Menschen eine natürliche Immunität, sodass die Zahl der anfälligen Personen abnimmt. Ist die Zahl der Infizierbaren niedrig genug, um ein epidemisches Wachstum zu verhindern, gilt die Herdenimmunität als erreicht.

War der Lockdown kontraproduktiv und hat eine vorzeitige Herdenimmunität verhindert?
©Animaflora PicsStock – stock.adobe.com

In den frühen Tagen der COVID-19-Pandemie schätzten einige Experten, dass 70 Prozent der Bevölkerung oder mehr Immunität erlangen müssten, ehe COVID-19 unter Kontrolle gebracht werden könne. Inzwischen gehen Experten jedoch davon aus, dass der Prozentsatz weitaus geringer sein könnte, und einige Regionen haben möglicherweise bereits die sogenannte Herdenimmunitätsschwelle (HIT) erreicht.

Wissenschaftler: COVID-Herdenimmunitätsschwelle niedriger als gedacht

Der New York Times zufolge sagten mehr als ein Dutzend Wissenschaftler in Interviews, der HIT für COVID-19 betrage wahrscheinlich 50 Prozent oder weniger. »Wenn das stimmt, dann könnte es möglich sein, dass das Coronavirus schneller zurückgeht als angenommen«, berichtete die Times,1 und das vielleicht sogar ohne Einführung eines Impfstoffs.

Die Herdenimmunität wird anhand der Reproduktionszahl oder R-Null (R0) berechnet, der geschätzten Zahl der Neuinfektionen, die bei einer infizierten Person auftreten können.2 R0 unter 1 (wobei R1 bedeutet, dass eine infizierte Person voraussichtlich eine andere Person ansteckt) deutet darauf hin, dass die Fälle zurückgehen, während R0 über 1 auf einen Anstieg der Fälle hindeutet.

Dies ist jedoch weit von einer exakten Wissenschaftlichkeit entfernt, da die Infektionsanfälligkeit einer Person von vielen Faktoren abhängt, unter anderem von ihrer Gesundheit, ihrem Alter und ihren Kontakten innerhalb einer Gemeinschaft. Die anfänglichen R0-Berechnungen für die HIT von COVID-19 basierten auf der Annahme, dass jeder Mensch die gleiche Anfälligkeit hat und sich die Ansteckung zufällig mit anderen Personen in der Bevölkerung vollziehen würde.

»Im wirklichen Leben kommt das aber so nicht vor«, sagte Dr. Saad Omer, Direktor des Yale Institute for Global Health, gegenüber der Times. »Die Herdenimmunität könnte von Gruppe zu Gruppe und von Subpopulation zu Subpopulation variieren«, oder sogar von Postleitzahl zu Postleitzahl.3

Wenn man reale Szenarien in die Gleichung einbezieht, sinkt der HIT signifikant, wobei einige Experten davon ausgehen, dass er sogar bei nur 10 bis 20 Prozent liegen könnte. Tatsächlich ist es, wie die Times andeutete, sogar möglich, dass die Herdenimmunität für die Pandemie »früher als gedacht« eintritt.4

Der Herdenimmunitätsschwellenwert für COVID-19 könnte unter 10 Prozent liegen

Forscher aus Oxford, Virginia Tech und der Liverpool School of Tropical Medicine haben unter anderem festgestellt, dass der HIT auf weniger als 10 Prozent sinkt, wenn individuelle Schwankungen der Anfälligkeit und Gefährdung berücksichtigt werden.5

Die unabhängige Nachrichtenquelle Off-Guardian7 zitierte auch Daten aus dem Verwaltungsbezirk Stockholm, Schweden, die einen HIT von 17 Prozent,8 zeigten, sowie einen Aufsatz des Brown-Universitätsprofessors Dr. Andrew Bostom, der erklärte:9

»… [Ein] angesehenes Team von Epidemiologen für Infektionskrankheiten aus dem Vereinigten Königreich und den USA ist zu folgendem Schluss gekommen: ›Eine natürlich erworbene Immunität gegen SARS-CoV-2 kann eine Bevölkerung über die Schwelle der Herdenimmunität bringen, sobald 10–20 Prozent ihrer Individuen immun sind.‹«

Und in einem Artikel, den er für Conservative Review schrieb, sagte Bostom:10

»… Eine natürlich erworbene Herdenimmunität gegen COVID-19 in Verbindung mit einem ernsthaften Schutz der gefährdeten älteren Menschen – vor allem der Bewohner von Pflegeheimen und Einrichtungen für betreutes Wohnen – ist eine äußerst vernünftige und praktische Alternative zu dem zweifelhaften Allheilmittel der obligatorischen Massenimpfung gegen das Virus.«

»Diese Strategie wurde erfolgreich in Malmö, Schweden, umgesetzt. Dort gab es nur wenige Todesfälle durch COVID-19, weil die Altenpflegeheime gewissenhaft geschützt wurden, während die Schulen geöffnet blieben, die Bewohner weiterhin in Bars und Cafés tranken und die Türen von Friseuren und Fitnessstudios durchgehend geöffnet waren.«

Die Ergebnisse haben auch Auswirkungen auf die Impfung. Tom Britton, ein Mathematiker an der Universität Stockholm, sagte der Times, da Virusinfektionen während der ersten Infektionswelle naturgemäß die anfälligsten Personen treffen, »wird die Immunität nach einer Infektionswelle effizienter verteilt als bei einer Impfkampagne, die versucht, alle zu schützen«.11

Dr. Michael Mina, ein Immunologe an der Harvard-Universität, schlägt außerdem vor: Sollte die Herdenimmunität bei »Superspreader«-Ereignissen erzielt werden, so könnte die Impfung von Gruppen, die bei solchen Ereignissen am wahrscheinlichsten angesteckt werden, ausreichen, um eine Herdenimmunität zu erzeugen, ohne dass eine allgemeine Impfung notwendig ist.12

Herdenimmunität besteht wahrscheinlich bereits in einigen Gebieten

Es ist wahrscheinlich, dass bestimmte Gebiete der Welt bereits Herdenimmunität erreicht haben, und alle Augen sind auf den Herbst und Winter gerichtet, um zu sehen, ob COVID-19 dann wieder auftaucht oder nicht. »Ich bin durchaus bereit zu glauben, dass es in New York City und London einzelne Bereiche gibt, die über eine beträchtliche Immunität verfügen«, sagte Bill Hanage, ein Epidemiologe an der Harvard T.H. Chan School of Public Health, gegenüber der Times. »Was in diesem Winter passiert, wird das widerspiegeln.«13

Wie einige Daten auch andeuten, hatten bis zu 80 Prozent der in Kliniken getesteten Personen COVID-19-Antikörper, und obwohl die Raten in der Allgemeinbevölkerung möglicherweise niedriger sind, ist es möglich, dass in bestimmten Bevölkerungsgruppen bereits eine Herdenimmunität besteht. In einer Umfrage unter zufällig ausgewählten Haushalten in Mumbai wiesen bis zu 58 Prozent der Bewohner in armen Gegenden Antikörper auf, verglichen mit bis zu 17 Prozent im Rest der Stadt.14

Darüber hinaus fand eine Studie sogar heraus, dass 81 Prozent der Menschen, die SARS-CoV-2, dem Virus, das COVID-19 verursacht, nicht ausgesetzt waren, immer noch in der Lage waren, eine Immunantwort dagegen zu entwickeln, was »zumindest auf einen eingebauten Immunschutz gegen SARS-CoV-2 schließen lässt …«15

Schweden, ein Land, das die Pandemie anders gehandhabt hat als die meisten anderen Länder der Welt, könnte ebenfalls kurz davor stehen, Herdenimmunität zu erreichen. Während Gymnasien und Universitäten geschlossen wurden und Versammlungen von mehr als 50 Personen verboten waren, blieben Grund- und Mittelschulen, Geschäfte und Restaurants während der Pandemie geöffnet,16 im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, die strenge Lockdown-Maßnahmen durchgeführt haben.

Dr. Gilbert Berdine, ein außerordentlicher Professor für Medizin am Texas Tech University Health Sciences Center, nutzte Daten über die täglichen Sterblichkeitsraten für COVID-19, um den Verlauf der Pandemie in Schweden, New York, Illinois und Texas zu verfolgen, die jeweils unterschiedlich auf die Pandemie reagierten.

Schweden, das als Kontrollgruppe dient, da es die vorgeschriebenen Lockdown-Maßnahmen nicht umgesetzt hat, erreichte am 08. April 2020 und erneut am 15. April einen Höchststand von 11,38 Todesfällen pro Tag pro Million Einwohner, aber die Todesfälle sind seither zurückgegangen.

»Die tägliche Sterblichkeit lag in den vergangenen 18 Tagen bei weniger als einem Todesfall pro Tag pro Million Einwohner. Es gibt nur sehr wenige Fälle. Praktisch gesehen ist die COVID-19-Epidemie in Schweden vorbei. Mit ziemlicher Sicherheit ist in Schweden eine Herdenimmunität erreicht worden, unabhängig von jeglichen Antikörpertestergebnissen«, schrieb Berdine für den gemeinnützigen Think-Tank des Mises Institute.17

Lockdowns sind der »größte politische Fehler dieser Generation«

In New York City erreichte die Sterblichkeitsrate von COVID-19 im April 2020 mehr als 50 Todesfälle pro Tag und Million, obwohl im März ein vollständiger Lockdown durchgeführt wurde. Der Bundesstaat ordnete an, dass Pflegeheime bis zum 10. Mai COVID-19-positive Patienten aus Krankenhäusern aufnehmen sollten, dann wurde die Anordnung aufgehoben, aber zu diesem Zeitpunkt wütete das Virus bereits in den Pflegeheimen unter den älteren Bewohnern – den am stärksten Gefährdeten.

»Durch die Erleichterung der Übertragung des Virus von den Krankenhäusern auf die Pflegeheime wurde die Ausbreitungsrate innerhalb der älteren Bevölkerung maximiert, und jeder mögliche Nutzen eines Lockdowns für die junge und gesunde Bevölkerung wurde zunichte gemacht«, erklärte Berdine.18

In Illinois wurde unterdessen ebenfalls ein strikter Lockdown eingeführt, und die täglichen Sterblichkeitsraten stiegen langsamer an und erreichten am 17. Mai 2020 einen Höchststand von mehr als 15 Todesfällen pro Tag pro Million.

Die Sterblichkeitsraten gingen jedoch auch langsamer zurück, und die Todesraten blieben höher als in anderen Regionen. Zwar scheint es durch die Lockdowns gelungen zu sein, die Kurve abzuflachen und die Übertragung unter der gesunden Bevölkerung zu verlangsamen, doch haben sie möglicherweise auch die Zeit verlängert, in der junge Menschen das Virus auf ältere Menschen übertragen konnten.

»Der Lockdown scheint in Illinois mehr Todesfälle durch COVID-19 verursacht zu haben, als ohne ihn eingetreten wären«, so Berdine.19 »Mit ziemlicher Sicherheit ist keine Herdenimmunität erreicht worden und wird auch nicht erreicht werden, bis die Schulen und die Wirtschaft wieder geöffnet werden.«

Texas lag irgendwo in der Mitte, mit einem lockereren Lockdown als Illinois und New York, obwohl am 31. März auch dort nicht lebenswichtige Geschäfte sowie Schulen geschlossen wurden. Die tägliche Sterblichkeit erreichte am 31. Juli 2020 einen Höchststand von mehr als 10 Todesfällen pro Tag pro Million Einwohner – und nähert sich damit Schwedens Sterblichkeitshöhepunkt, solange die Wirtschaft noch nicht wieder geöffnet ist. Berdine schrieb:

»Obwohl die Gesamtmortalität von COVID-19 in Texas (293 Todesfälle pro Million Einwohner) niedriger ist als in Schweden (570), ist die aktuelle Tagessterblichkeit in Texas viel höher als in Schweden, sodass die COVID-19-Mortalität in Texas in den nächsten 30-60 Tagen zu Schweden aufschließen könnte. Darüber hinaus wird sich die Situation in Texas wahrscheinlich noch verschlechtern, wenn die Schulen und die Wirtschaft wieder geöffnet werden, was letztendlich auch geschehen muss.«20

Es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Schweden mit seiner Reaktion auf die Pandemie vermutlich richtig gehandelt hat, während die Lockdowns anderer Regionen nach hinten losgegangen sein könnten. Im besten Fall, so Berdine, hätten sie den Tod nur für kurze Zeit hinausgezögert und im schlimmsten Fall mehr Menschen getötet, als es der Fall gewesen wäre, wenn man ihnen die Wahl gelassen hätte, wie sie mit ihrem eigenen Risiko umgehen wollen.

»Wenn man die beispiellose wirtschaftliche Depression in Betracht zieht, wird die Geschichte diese Lockdowns wahrscheinlich als den größten politischen Fehler dieser Generation bewerten«21, sagte er.

Wann wird die Pandemie vorbei sein?

Wenn die Herdenimmunität möglicherweise früher als geplant voranschreitet und einige Regionen möglicherweise bereits immun sind, wann wird die Pandemie dann zu Ende sein? Die Weltgesundheitsorganisation hat eine Vorhersage für die nächsten 2 Jahre gemacht,22 aber die sinkende Sterblichkeitsrate ist nicht länger ein Grund zur Hysterie.

Wie die Daten zeigen, beläuft sich die COVID-19-Todesfallrate bei den unter 45-Jährigen auf »fast null«, und bei den 45- bis 70-Jährigen liegt sie irgendwo zwischen 0,05 und 0,3 Prozent.23 Die Daten des CDC (Centers for Desease Control and Prevention, Seuchenschutzbehörde) zeigen auch einen starken Rückgang der COVID-19-Todesfälle auf der Grundlage vorläufiger Todeszahlen, die auf den vom National Center for Health Statistics erhaltenen und kodierten Sterbeurkundendaten basieren.24

Tatsache bleibt jedoch, dass COVID-19 möglicherweise nie ganz verschwinden wird. »COVID-19 wird nicht besiegt werden; wir werden lernen müssen, wie wir mit ihm zu leben«, sagte Berdine.25

»Wir können nur herausfinden, wie wir am besten mit COVID-19 umgehen können, wenn wir den Einzelnen sein eigenes Risiko handhaben lassen, die Ergebnisse beobachten und aus Fehlern lernen.«

Zu diesem Zweck sollten Sie jetzt Maßnahmen ergreifen, um Ihr Immunsystem gegen Infektionskrankheiten aller Art zu stärken.

Dieser Artikel erschien erstmals am 08. September 2020 auf Mercola.com.

Quellen & weiterführende Informationen

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