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Je mehr die Forschung über das Coronavirus herausfindet, desto mehr Details über den Erreger werden bekannt. Neu ist, dass SARS-CoV-2 auch die Augen befallen und dort eine Bindehautentzündung verursachen kann. Die Zellen in den Augen ähneln denen der Atemwege und »locken« das Virus an.

Auf einen Blick
  1. Bei Italiens erster COVID-19-Patientin wurde entdeckt, dass sich das Virus auch in der Tränenflüssigkeit der Augen einnisten kann.
  2. Dort ist es Ursache für eine Bindehautentzündung. Diese gilt als hoch ansteckend, wie häufig auch andere virale Bindehautentzündungen.
  3. Temperaturmessungen an den Augen sowie Laboranalysen der Tränenflüssigkeit zeigen, ob das Coronavirus die Augen befallen hat.
  4. Zum Schutz vor Augeninfektionen mit dem Coronavirus gilt, jeden Augen-Hände-Kontakt beim Aufenthalt außerhalb der eigenen Wohnung möglichst zu vermeiden sowie Abstand zu anderen Personen zu halten.

Das Coronavirus in den Augen

Bei Italiens erster COVID-19-Patientin, einer 65 Jahre alte Chinesin, handelte es sich um keine »normale« Patientin. Sie war am 23. Januar 2020 aus Wuhan nach Italien eingereist.1 Fünf Tage später stellten sich bei ihr die ersten Symptome eine Infektion mit SARS-CoV-2 ein: trockener Husten und Halsschmerzen. Einen Tag danach wurde sie in das Krankenhaus und Nationale Institut für Infektionskrankheiten Lazzaro Spallanzani in Rom eingeliefert. Dort wurde COVID-19 festgestellt. Sie war Italiens Patient Nummer 1 mit dieser Erkrankung.

Bei Italiens Corona-Patientin Nummer 1 kamen kurz nach der Einlieferung in die Klinik Fieber und eine Bindehautentzündung dazu
© pongmoji – stock.adobe.com

Kurz nach der Einlieferung in die Klinik kamen auch noch Fieber und eine Bindehautentzündung hinzu.2 Nachdem sich die Bindehautentzündung hartnäckig hielt und keine Besserung zeigte, nahmen Fachärzte einen Augenabstrich vor und schickten diesen zur Untersuchung ins Labor. Dort wurde als Ursache der Bindehautentzündung das Coronavirus festgestellt. Seitdem wurde täglich ein Augenabstrich angefertigt.

Bis zu Tag 21 nach der Krankenhausaufnahme ging die Konzentration von SARS-CoV-2 kontinuierlich zurück. An Tag 22 war kein Virus mehr nachweisbar. Trotzdem wurden die Augenuntersuchungen fortgesetzt, bis an Tag 27 plötzlich eine Überraschung folgte: Das Virus konnte wieder nachgewiesen werden – und zwar in einer Konzentration, mit der es in der Lage war, andere Personen mit COVID-19 anzustecken.3

Bei Infektionen sind Beteiligungen der Augen nicht selten

Wie war das Virus in das Auge gelangt? Hier kommen zwei Wege in Frage: Entweder haftete das Virus an den Fingern der Chinesin und sie hatte sich damit die Augen gerieben. Oder das Virus, welches sich bereits im Körper befand, wanderte entlang der Schleimhäute in der Nasen-Rachen-Region und durch die Tränenkanäle in die Augen.4 Beide Wege sind möglich, stellen keine Seltenheit bei der Ansteckung der Augen mit Krankheitserregern dar und können auf diese Weise eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) auslösen.

Generell gibt es für Bindehautentzündungen mehrere Ursachen. Am häufigsten kommen diese drei vor:

  1. Virale Bindehautentzündung:
    Herpesviren, Masernviren, Rötelnviren, Varizella-Zoster-Viren (Windpocken) oder Adenoviren (Magen-Darm- oder Augeninfektionen) werden zum Beispiel häufig als Ursache einer viralen Bindehautentzündung festgestellt. Zur Behandlung einer durch Herpesviren verursachten Bindehautentzündung stehen Medikamente mit dem Wirkstoff Aciclovir zur Verfügung. Bei allen anderen viralen Entzündungen der Bindehaut können lediglich die Symptome mit kalten Auflagen gelindert werden, ansonsten muss das körpereigene Immunsystem aus eigener Kraft damit fertig werden. Dies gilt auch für Bindehautentzündungen, die durch SARS-CoV-2 verursacht sind.
  2. Bakterielle Bindehautentzündung:
    Wie Viren können auch Bakterien die Ursache einer Bindehautentzündung sein. Am häufigsten sind es Pneumokokken, Staphylokokken, Gonokokken, Chlamydien oder vor allem bei Kindern Bakterien der Art Haemophilus influenzae. Bakterielle Bindehautentzündungen heilen in der Regel binnen weniger Tage von selbst ab. Ist das nicht der Fall, können antibiotikahaltige Augentropfen oder Augensalben angewendet werden.
  3. Allergische Bindehautentzündung:
    Die Ursache sind allergieauslösende Substanzen (Allergene), mit denen das Auge in Berührung kommt, zum Beispiel Chemikalien in Augentropfen oder Pollen bei Heuschnupfen-Allergikern. Die Behandlung kann in leichten Fällen mit kalten Auflagen rein symptomatisch sein, in schwereren Fällen aber auch mit Kortison oder Antihistaminika erfolgen.

Während viele Bindehautentzündungen aufgrund der Allergene als Auslöser nicht ansteckend sind, gelten virale oder bakterielle Bindehautentzündungen als hoch ansteckend. Die Symptome können in allen drei Varianten die gleichen sein: rote und brennende Augen, Druck- oder Fremdkörpergefühl im Auge, verstärkter Tränenfluss, Juckreiz, Lichtempfindlichkeit, geschwollene Bindehaut, verklebte Augen, Lidkrämpfe.

SARS-CoV-2 als Ursache einer Bindehautentzündung

Eine Untersuchung5 am Department of Ophthalmology am Tongji Hospital der Huazhong University of Science and Technology in Wuhan an 534 COVID-19-Patienten ergab, dass 4,7 Prozent der Patienten an einer durch SARS-CoV-2 verursachten Bindehautentzündung erkrankt waren.

Neben den typischen COVID-19-Symptomen wie Fieber, trockenem Husten und Atemproblemen klagten 13 Prozent von ihnen über verschwommenes Sehen, 12 Prozent über ein Fremdkörpergefühl im Auge und 21 Prozent über Beschwerden, wie sie auch bei einem trockenen Auge vorliegen. Bei 62 Prozent der Betroffenen erfolgte die Ansteckung zur Bindehautentzündung durch eine Übertragung des SARS-CoV-2-Virus mit Hand-Augen-Berührungen.

»Als wegweisend für die Diagnose gilt die bei einer SARS-CoV-2-Infektion typischerweise stark erhöhte Temperatur am Auge des Patienten (bis über 40 °C). Moderne Non-Kontakt-Thermometer erlauben die Messung am Oberlid« beschreiben die Lungenärzte im Netz auf ihrer Internetseite die Diagnose der durch SARS-CoV-2 hervorgerufenen Bindehautentzündung.6 »Zwar steigt auch bei anderen Infektionen die Temperatur im Bereich der vorderen Augenabschnitte, Werte über 39 °C kommen aber selten vor. Ein weiteres Merkmal: Flächenhafte Einblutungen oder stecknadelkopfgroße Blutungen aus den feinsten Blutgefäßen (Kapillaren) in der Haut (sog. Petechien) treten bei einer durch SARS-CoV-2 bedingten Konjunktivitis nicht auf.« Endgültige Sicherheit für das Vorliegen der Erkrankung bringt allerding erst die Untersuchung der Tränenflüssigkeit im Labor auf Coronaviren.

Wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen können

Ein Grund dafür, dass das Coronavirus sich in den Augen einnistet und dort sogar teilt, könnte die Ähnlichkeit zwischen den Zellen der Augen und den Zellen der Atemwege sein. Professor W. David Hardy, Spezialist für Infektionskrankheiten an der Johns Hopkins Universität, beschrieb in der Washington Post7 die Gemeinsamkeit von Augen- und Lungenzellen sowie die Auswirkungen des Coronavirus so: »Die Zellen, die sich im Inneren des Auges befinden, sind ähnlich, aber nicht gleich«, sagte er. »Wenn das Virus ins Auge gelangt, verursacht es deshalb auch nicht annähernd das gleiche Maß an Zerstörung wie bei Zellen des Atmungssystems.«

Da sich das Coronavirus auf glatten Flächen, Tür- oder Fenstergriffen viele Stunden halten kann, ist es zum Schutz vor einer Ansteckung über die Augen wichtig, unterwegs möglichst jeden Hand-Augen-Kontakt zu meiden. Sehr empfehlenswert ist es bei längerem Aufenthalt außerhalb der eigenen Wohnung, zwischendurch öfter die Hände zu desinfizieren und nach dem Nachhausekommen gründlich die Hände zu waschen.8 Für unterwegs gilt außerdem noch, ausreichend Abstand zu anderen Personen zu halten, da das Virus über Atemlufttröpfchen (Aerosole) zu den Augen gelangen könnte.

Quellen & weiterführende Informationen

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