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Die Symptome einer Sepsis ähneln manchmal denen einer Grippe. Wird deshalb die richtige und rechtzeitige Behandlung einer Sepsis verzögert, wird es für Betroffene schnell lebensgefährlich.

Auf einen Blick
  1. Die Behandlung jeder Sepsis ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Mit jeder Stunde, die ungenutzt verstreicht, sinken die Überlebenschancen.
  2. Mit aller Kraft versucht der Organismus, sich gegen die Erreger einer Sepsis zur Wehr zu setzen. Dabei schießt er über das Ziel hinaus und schadet sich selbst.
  3. Maßgeblich für die Entstehung so mancher Sepsis ist eine Infektion mit Grippeviren. Sie schwächen das Immunsystem, so dass andere Keime zur Ursache einer Sepsis werden können. Oder die Grippeviren lösen die Sepsis selbst aus.
  4. Vitamine können dazu beitragen, Grippeinfektionen und eine daraus entstehende Sepsis zu vermeiden – manchmal sogar besser als eine Grippeimpfung.
  5. Moderne Biomarker helfen, eine Sepsis zu diagnostizieren und sie klar von einer Grippeinfektion abzugrenzen. So wird es möglich, den Verlauf einer Sepsis zu überwachen und die Behandlung zu optimieren.

Als eine der gefährlichsten Erkrankungen gilt die Sepsis, umgangssprachlich fälschlicherweise als »Blutvergiftung« bezeichnet. Fälschlicherweise deshalb, da es sich um keine Vergiftung handelt und auch nicht nur das Blut, sondern der gesamte Organismus betroffen ist. Besonders heimtückisch: Die Symptome einer Sepsis ähneln manchmal denen einer Grippe. Wird deshalb die richtige und rechtzeitige Behandlung einer Sepsis verzögert, wird es für Betroffene schnell lebensgefährlich.

Grippe oder Blutvergiftung: Was ist es wirklich?

Eine Sepsis wird oft spät oder gar nicht erkannt
©vipman4 – stock.adobe.com

Leichtes oder auch hohes Fieber, Abgeschlagenheit, Atemnot, Schüttelfrost, Gliederschmerzen und manchmal auch Herzrasen – die Symptome ähneln denen einer Grippe. Das ist auch das Fatale daran. Denn in Wahrheit kann sich dahinter eine Sepsis, fälschlicherweise oft als »Blutvergiftung« bezeichnet, verbergen.1 Ohne, dass die Erkrankung erkannt wird. In Deutschland ist Sepsis eine der häufigsten Todesursachen nach Herz-Kreislauf-Leiden und Krebs. Je nach Veröffentlichung wird die Anzahl der jährlich neu auftretenden Sepsis-Erkrankungen mit 180.000 bis zu 280.000 Patienten angegeben. Das Schlimme daran: Da die Sepsis häufig zu spät oder gar nicht erkannt wird, sterben 30 bis 40 Prozent der Betroffenen.

Wird eine Sepsis diagnostiziert, beginnt mit dem Zeitpunkt, an dem sie festgestellt wird, ein Wettlauf gegen die Zeit. Um das Leben der Betroffenen zu retten, zählt jede Minute. Wird mit der angemessenen Behandlung innerhalb von 30 Minuten nach der ersten Feststellung einer Sepsis begonnen, überleben 82 Prozent der Patienten. Schon bei einem 30 Minuten späteren Behandlungsbeginn sinken die Überlebenschancen auf 77 Prozent.2 Und mit jeder weiteren Stunde, die ohne richtige Behandlung verstreicht, gehen die Überlebenschancen nochmals um 7 Prozent zurück. Obwohl die Sepsis mit zu den häufigsten ernsthaften Erkrankungen gehört, wird sie von den Ärzten oft nicht rechtzeitig erkannt. Die Beschwerden sind oft zu unspezifisch und werden deshalb mit anderen Erkrankungen verwechselt.

Erreger überschwemmen den Organismus

Um die Diagnostik einer Sepsis und die Versorgung von Sepsispatienten zu verbessern, wurde 2014 eine internationale Taskforce3 mit 19 Experten aus Frankreich, Australien, den USA, Deutschland, Kanada, Belgien und den Niederlanden ins Leben gerufen, um die Diagnose- und Verlaufsdaten von mehr als 700.000 Patienten auszuwerten. Die Erkenntnisse aus dieser Arbeit wurden 2016 veröffentlicht. Sie sollen Ärzten helfen, eine Sepsis richtig zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln, um die Überlebenschancen von Betroffenen deutlich zu verbessern.

Doch was ist eine Sepsis?

Für Laien brachte die Taskforce die Beschreibung auf den einfachen Nenner, dass die Sepsis eine Reaktion des Körpers auf eine Infektion ist, die dem eigenen Gewebe Schaden zufügt. Genauer betrachtet wird der Organismus während dem Verlauf einer Sepsis von einer großen Menge Krankheitserreger geradezu überschwemmt, gegen die er sich zur Wehr setzt. Die Folge davon sind äußerst heftige Entzündungen, die binnen kürzester Zeit aufflammen. Im Laufe einer dramatischen Abwehrreaktion gegen diese Erreger mobilisiert der Organismus alle Kräfte, um diese zu besiegen und zu beseitigen. Dieser Überlebenskampf mündet in eine Überreaktion, die dazu führt, dass die Organe anschwellen, der Kreislauf zusammenbricht, die Blutgerinnung über das Ziel hinausschießt und somit allmählich zu einer Verstopfung der Adern führt. Im letzten Stadium versagen Lunge und Leber, Nieren und Herz. Der Patient stirbt im Grunde genommen an einer Panikreaktion seines Immunsystems.

Grippe als Ursache für eine Sepsis

Da die Beschwerden in manchen Fällen falsch gewertet und einer Grippe (Influenza) zugeordnet werden, heißt es dann, der Patient wäre an den Folgen einer Grippe verstorben. Was so nicht stimmt. Dennoch gibt es zwei Erklärungsansätze, die einen Zusammenhang zu einer Grippeinfektion verdeutlichen.

Staphylokokken und Pneumokokken breiten sich ungehindert im Körper aus und können eine Sepsis verursachen
©ladysuzi – stock.adobe.com
  1. Der eine betrifft überwiegend Kinder und Jugendliche. So haben US-Forscher festgestellt,4 dass bei verstorbenen Kleinkindern, die an Infektionen mit Grippeviren erkrankt waren, in mehr als der Hälfte aller Fälle eine Sepsis die Todesursache war. Und bei Kindern im Alter von bis zu 16 Jahren, so wurde in einer finnischen Studie4 nachgewiesen, war immerhin noch bei jedem zehnten an Grippe erkrankten Kind ebenfalls eine Sepsis die Todesursache. Den Grund erkannten die Wissenschaftler in beiden Studien darin, dass die Grippeviren das Immunsystem der Kinder und Jugendlichen derart schwächten, dass sich Staphylokokken und Pneumokokken ungehindert im Körper verteilen und ausbreiten können. Beide Arten von Bakterien können eine Sepsis hervorrufen.
  2. Der zweite Erklärungsansatz5 bezieht sich auf ältere und erwachsene Sepsispatienten und geht davon aus, dass die Grippeviren selbst die Ursache eine Sepsis sein können. Sie verbreiten sich ungehindert und unkontrolliert im Organismus und werden dabei selbst zum Auslöser einer umfassenden Entzündung. Daraus wird innerhalb kürzester Zeit eine immer weiter fortschreitende Sepsis bis hin zum Organversagen und dem Tod der Betroffenen.

Immunregulierung mit Vitamin C, B1 und Hydrocortison

Wie bereits beschrieben hängen die Überlebenschancen von Sepsis-Patienten davon ab, wie schnell eine der Krankheit angemessene Behandlung einsetzt. Deren Ziel ist im Wesentlichen, die Sepsis auslösenden Erreger zu bekämpfen und zu beseitigen, den Kreislauf zu stabilisieren und mit der Erhaltung der Funktionen der Organe, deren Versagen zu verhindern. Sind Bakterien die Auslöser der Sepsis, dann können Antibiotika zum Einsatz kommen.

Sind es Viren, sieht es schon schlechter aus, da es kaum wirksame Medikamente zur Bekämpfung gibt. Verschiedene Untersuchungen kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass in beiden Fällen die intravenöse Verabreichung von hochdosiertem Vitamin C, Vitamin B1 (Thiamin) und Hydrocortison die Sterblichkeit bei Sepsis von etwa 40 Prozent auf 8,5 Prozent senken kann.6 Dies wird erreicht, indem mit den Vitaminen und dem Hydrocortison das Immunsystem ausgeglichen wird und überschießende Immunreaktionen gebremst werden.

Vorbeugung mit Vitamin D

Um die Gefahr einer Sepsis gleich völlig auszuschließen, ist es natürlich am besten, eine Grippeinfektion von vorneherein zu verhindern. Dazu gibt es die Möglichkeit der Grippeimpfung. Für einen optimalen Erfolg dieser Impfung setzt es allerdings voraus, dass die Zusammensetzung des Impfstoffs exakt auf die Grippeerreger der jeweiligen Grippesaison abgestimmt ist. Da dies in den vergangenen Jahren öfter wegen der Wandelbarkeit der Grippeerreger nicht erreicht werden konnte, stellte sich die Grippeimpfung manchmal sogar als riskant heraus. Aufgrund von Interaktionen der saisonalen Grippeviren und der im Impfstoff enthaltenen inaktivierten Grippeviren kam es teilweise zu einer Erhöhung des Krankheitsrisikos, anstatt dieses zu verringern. Einschätzungen der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Druid Hills bezifferten die Wirksamkeit der Grippeimpfung durchschnittlich zwischen 50 und 60 Prozent, in manchen Jahren sogar unter 50 Prozent.

Eine Metaanalyse mit insgesamt 25 randomisierten placebokontrollierten Studien, an denen 11.321 Personen teilgenommen hatten, kam zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Vitamin D das Risiko für Infektionen der Atemwege wie Influenza ebenfalls um etwa 50 Prozent7 verringern kann – und somit in der Effektivität durchaus mit der Grippeimpfung vergleichbar ist. Um diese Wirkung zu erreichen, wird als Dosierung für die ersten 2 Wochen 5.000 IE Vitamin D pro Tag, danach 2.000 IE Vitamin D pro Tag empfohlen.8

Kein Tamiflu gegen die Grippe

Falls es trotz Vorbeugung zu einer Grippeinfektion kommt, ist es wichtig – um das Risiko der Entstehung einer Sepsis zu verringern – diese rasch zum Abheilen zu bringen und den Krankheitsprozess so kurz wie möglich zu halten. Um das zu erreichen, wird manchmal das Medikament Tamiflu9 ins Spiel gebracht. Vorgeblich soll es die Vermehrung der Grippeviren unterbinden, das Risiko für aus der Grippeinfektion entstehende Komplikationen herabsetzen und die Krankheitsdauer minimieren. Studien konnten allerdings zeigen, dass Tamiflu die Krankheitsdauer nur um weniger als 17 Stunden verkürzt.

Dem gegenüber steht allerdings das Risiko, dass das Grippemedikament zu Nebenwirkungen wie Krämpfen, Gehirninfektionen, Psychosen, Stimmungsschwankungen, Gedächtnisstörungen, Schlaflosigkeit, Selbstmordgedanken und anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen führt.10 Kurz gesagt: Seine geringe Wirkung gegen eine Grippeinfektion steht in keinem Verhältnis zu den möglichen Nebenwirkungen. Das Risiko einer aus der Grippeinfektion entstehenden Sepsis wird damit jedenfalls nicht reduziert.

Biomarker geben Aufschluss über den Sepsisverlauf

Besteht der Verdacht einer Sepsis, kann diese neben weiteren Laboruntersuchungen mit dem Einsatz von Biomarkern11 diagnostiziert und deren Verlauf überwacht werden. Gleichzeitig ist es damit möglich, eindeutig festzustellen, ob eine Grippeinfektion oder eine Sepsis vorliegt. Eine falsche Interpretation der Symptome wird damit ausgeschlossen. Dazu werden im Labor anhand einer Blutanalyse die Konzentrationen der Biomarker CRP (C-reaktives Protein) und PCT (Procalcitonin) bestimmt, wobei PCT heute als empfindlichste Untersuchung zur Diagnostik und Beurteilung des Verlaufs einer Sepsis gilt.

Das Entgleisen der Blutgerinnung und das zwangsläufig nachfolgende Versagen der Organe zeichnet sich frühzeitig durch eine Veränderung der Laktatkonzentration ab. Um das vielleicht noch verhindern zu können, dazu kann die Messung der Laktatwerte im Labor beitragen. Schlecht ist es, wenn diese Werte ansteigen.

Wird die Möglichkeit im Auge behalten, dass sich hinter den Symptomen einer Grippe oder einer vorliegenden Grippeinfektion eventuell eine Sepsis versteckt, kann der tödliche Ausgang bei rechtzeitiger und richtiger Behandlung in vielen Fällen vielleicht verhindert werden. Experten schätzen, dass auf diese Weise jährlich 15.000 bis 20.000 Leben oder mehr alleine in Deutschland gerettet werden könnten.12

Quellen & weiterführende Informationen

  1. Florescu D F, Kalil A C: »The complex link between influenza and severe sepsis.« Virulence. 2014 Jan 1;5(1):137-42. doi: 10.4161/viru.27103.
  2. Brunkhorst F M, Welte T: »Diagnose und kausale Therapie der Sepsis.« Intensivmedizin und Notfallmedizin. Volume 46, Article number: 526 (2009).
  3. Singer M, Deutschman C S, Seymour C W et al.: »The Third International Consensus Definitions for Sepsis and Septic Shock (Sepsis-3).« JAMA. 2016;315(8):801-810. doi:10.1001/jama.2016.0287.
  4. Deutsche Presse Agentur, Meldung vom 10.10.2012
  5. Theimer S: »Influenza and Sepsis: Mayo Expert Describes Signs of Severe Sepsis, Septic Shock.« Mayo Clinic Newsletter, January 13, 2015.
  6. Marik P E, Khangoora V, Rivera R et al.: »Hydrocortisone, Vitamin C, and Thiamine for the Treatment of Severe Sepsis and Septic Shock: A Retrospective Before-After Study.« Chest. 2017 Jun; 151(6): 1229-1238. doi: 10.1016/j.chest.2016.11.036.
  7. Cannell J J, Vieth R, Umhau J C et al.: »Epidemic influenza and vitamin D.« Epidemiology and Infection. 2006 Dec;134(6):1129-40. doi 10.1017/S0950268806007175.
  8. Martineau A R, Jolliffe D A, Hooper R L et al.: »Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data«. 2017 Feb 15;356:i6583. doi: 10.1136/bmj.i6583.
  9. Jefferson T, Jones M, Doshi P et al.: »Oseltamivir for influenza in adults and children: systematic review of clinical study reports and summary of regulatory comments.« BMJ. 2014 Apr 9;348:g2545. doi: 10.1136/bmj.g2545.
  10. Goldacre B: »What the Tamiflu saga tells us about drug trials and big pharma.« The Guardian, 2014/04/10.
  11. Rello J, Valenzuela-Sánchez F, Ruiz-Rodriguez M, Moyano S: »Sepsis: A Review of Advances in Management.« Advances in Therapy. 2017 Nov;34(11):2393-2411. doi: 10.1007/s12325-017-0622-8.
  12. Eckert N: »Sepsis: Es überleben zu wenige.« Deutsches Ärzteblatt. 2019; 116(38): A-1652 / B-1366 / C-1338.

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